Unser Verständnis von Good Governance

Der Begriff „Governance“ umfasst alle Akteure und Regelungen von Prozessen, die – vorbereitend, durchführend und kontrollierend – Entscheidungen mitgestalten, die in einem Gemeinwesen oder einer Organisation kontrovers sind und doch für alle verbindlich getroffen werden müssen. Dabei kann es sich um Schulen, Unternehmen, Kommunen, Staaten, globale Organisationen oder globale Aktivitäten wie Sport oder Wirtschaftssektoren handeln. Governance kann normativ gesetzten oder einfach faktisch entstandenen Regeln folgen. Gerade informelle Regeln, die z.B. in der Kultur, den Einstellungen, Werten, Gewohnheiten oder Routinen der handelnden Personen begründet sind, haben oft einen größeren Einfluss auf Entscheidungen als schriftliche Paragraphen.

„Good Governance“ richtet sich nach Werten und verfolgt Ziele, sie sich über Jahrhunderte herausgebildet haben und schließlich in der Formulierung von Menschenrechten (z.B. der Vereinten Nationen im Jahre 1948) und politischen wie sozialen Grundrechten (UN Sozialcharta, Europäische Sozialcharta, deutsches Grundgesetz) festgehalten worden sind. Sie formulieren einen normativen Grundkonsens, von dem her sich Good Governance legitimiert.

Zentrale Gestaltungsprinzipien von Good Governance sind Verantwortlichkeit der Entscheidungsträger (accountability), Transparenz der Entscheidungen und Teilhabe derjenigen, die Entscheidungen unterworfen sind. Im politischen Raum betrifft dies die verfassungsmäßigen Grundlagen eines Gemeinwesens.

Unser Verständnis von Good Governance geht normativ von verfassten Demokratien aus, deren Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse durch neue Akteure und Verfahren ergänzt werden müssen, um die Prinzipien Verantwortlichkeit, Transparenz und Partizipation wirksamer umzusetzen. Im politischen Bereich müssen auf allen Ebenen im vorstaatlichen Raum Verständigungsprozesse dafür sorgen, dass die repräsentativ-demokratisch legitimierten Entscheidungen transparenter, kompetenter und gerechter ausfallen, um der gleichen Würde aller Menschen – dem normativen Fundament von Demokratien – besser zur Wirksamkeit zu verhelfen. Als effektiv und erfolgreich dafür haben sich argumentative Auseinandersetzungen – eine „Deliberation“ und „antagonistische Kooperation“ – zwischen staatlicher Politik, Vertretern des Unternehmenssektors und der organisierten Zivilgesellschaft (einschließlich Gewerkschaften und Kirchen) herausgestellt. Zugleich sollen Wissenschaft ihre Einsichten in diese Auseinandersetzung einspeisen und Medien für die Kommunikation dieser Verständigungsprozesse sorgen.

Good Governance ist kein abgeschlossenes Modell, sondern lernt aus Erfahrungen und entwickelt sich immer weiter, um dem Ziel der gleichen Würde aller Menschen global zur Durchsetzung zu verhelfen.

Prof. Dr. Peter Eigen
Leitung: Prof. Dr. Peter Eigen

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