Trialog-Reihe "Aufbruch Stadt: Für zukünftige Infrastrukturen" mit der Technischen Universität Berlin

Berlin wächst unerwartet dynamisch. Die Infrastruktur der Stadt ist darauf noch nicht vorbereitet. An den zahlreicher werdenden Flächen- und Nutzungskonflikten wird deutlich, dass die Gestaltung der Stadt eine produktive und verständigungsorientierte Auseinandersetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessengruppen braucht, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Die großen Transformationen durch Urbanisierung und Klimawandel führen auch zu neuen Anforderungen an Wissenschaft und Universitäten. Neben der Erforschung des Ist-Zustandes, der Problemlagen sowie der Entwicklung von tragfähigen Zukunftsszenarien, gilt es, Konzepte, Initiativen, Instrumentarien und Maßnahmen zu entwickeln, die eine notwendige Transformation gestalten helfen.

Transdisziplinäre Trialoge wurden von der Technischen Universität Berlin und der HVGP gemeinsam entwickelt, um für die vieldiskutierten Forderungen nach gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit von Forschung durch transdisziplinäres Arbeiten eine geeignete Methode zu schaffen. Im Rahmen der Trialog-Reihe diskutierten Akteure aus der Stadtgesellschaft mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, um zu transdisziplinär orientierten Fragestellungen und Projektideen zu gelangen. Im Rahmen des Projektes wurden über einen Zeitraum von elf Monaten (Februar 2016 – Dezember 2016) insgesamt vier Trialoge für die TU Berlin vorbereitet und durchgeführt.

Weitere Informationen über die gemeinsamen Aktivitäten zum Ausbau und zur Förderung des transdisziplinären Forschungsprinzips an der TU Berlin finden Sie hier.

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[+] 1. Trialog: Zuwanderung nach Berlin | 04.05.2016

Wie kann eine Stadt zur Heimat ihrer unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohner werden?

Als wesentliches Handlungsfeld zeigte sich in der Diskussion die Notwendigkeit, flexible Infrastrukturen für Zuwanderung zu gestalten. Bedeutsam für die erfolgreiche Integration von Zuwanderern sind Infrastrukturen in den Bereichen Wohnen, Bildung, soziale Netzwerke, digitale Infrastrukturen und Beruf.

Städte sind Knotenpunkte von sozialen Netzwerken, in die Zuwanderer migrieren. Diese realen sozialen Netzwerke sind häufig der erste Ausgangspunkt für Inklusionsprozesse und den Zugang zu einer Erwerbstätigkeit. Soziale Netzwerke zeigten sich in diesen Zusammenhängen als  relevante Forschungs- und Handlungsfelder.

Die Integration in die Alltagskultur wurde als ein weiteres wichtiges Handlungsfeld identifiziert, bei dem auch die Rolle des Ehrenamtes eine große Rolle spielt. Ein weiteres anschlussfähiges Thema für die Herausarbeitung von Handlungsbedarfen bietet das Thema Souveränität. Es kristallisierte sich als breiter Konsens der anwesenden Akteure heraus, dass es für Migrantinnen und Migranten von zentraler Bedeutung ist, die Entscheidungsgewalt über sich selbst und das eigene Leben zurückerobern zu können.

Die Kompetenzfeststellung von Zuwanderern stellte sich als ein sehr relevantes Handlungsfeld heraus. Insbesondere für Flüchtlinge werden kurz- bis mittelfristig neue Modelle der Kompetenzfeststellung gebraucht, weil vorige Ausbildungsabschlüsse oder Qualifikationen nicht entsprechend der hiesigen Erfordernisse dokumentiert sind bzw. anerkannt werden können. Zudem werden Modelle zur Integration in das Ausbildungssystem benötigt, die noch fehlenden Sprachkenntnissen Rechnung tragen, ohne das klassische duale Ausbildungssystem zu schwächen.

Das größte Gewicht legten die Teilnehmer in der Trialog-Diskussion auf die Themen Wissen und Information. Hier scheint der größte Handlungsbedarf zu bestehen und hier werden die meisten Schnittstellen zu den vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen an der TU Berlin wahrgenommen. Gebraucht wird eine Informationsplattform oder Datenbank mit gebündelten Informationen für alle Beteiligten inklusive den Flüchtlingen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die dynamische (digitale) Darstellung und die Vermittlung von verschiedenen Wissensformen dar.

[+] 2. Trialog: Zukünftige Infrastrukturen für Mobilität | 30.06.2016

Der Trialog befasste sich insbesondere mit Mobilitätsstrategien für eine zukunftsfähige Infrastruktur in Berlin und thematisierte welche Freiheit und welche Regulierungen neue Mobilitätskonzepte in der wachsenden Stadt beinhalten könnten.

Im Trialog wurde deutlich, dass Mobilität in der wachsenden Stadt im Rahmen einer integrierten Stadt- und Raumplanung betrachtet werden sollte. Die Probleme im Themenfeld Mobilität, wie zum Beispiel bei der Aufteilung der Flächen für unterschiedliche Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sowie die Planung kurzer Wege können ohne diese integrierte Perspektive nicht gelöst werden. Zudem spielen Zukunftsfragen wie Klimawandel, neue Antriebstechnologien und Digitalisierung sowie neue gesellschaftliche Organisationsformen wie Sharingmodelle eine wichtige Rolle im Kontext einer zukünftigen Mobilitätsstrategie in Berlin. Beim Trialog konnten konkrete transdisziplinäre Handlungsfelder ermittelt werden. So sollte Berlin Vorreiter einer Verkehrswende unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger sein. Hierzu braucht es Konzepte zu gerechten Flächenaufteilungen und für eine neue Mobilitätskultur. Weitere Handlungsfelder wären die transdisziplinäre Erarbeitung von temporären Konzepten für die Umnutzung und Mischnutzung von Raum und von Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung sowohl in bestehenden als auch in neuen Quartieren.

[+] 3. Trialog: Wohnen in der wachsenden Stadt | 01.09.2016

Im Trialog wurden Fragestellungen zum zukünftigen Wohnen in Berlin diskutiert und deren Relevanz und Bedeutung für die Gesellschaft erörtert. Dabei ging es auch um die angrenzenden Themenfelder Wohnungsbau & Sanierung, Gentrifizierung und Wohnformen.

Die Trialog-Diskussion war detailreich und verdeutlichte die Fragmentierung des Themas über verschiedene politische Ebenen und die Herausforderung, in der Auseinandersetzung, die sehr unterschiedlichen Interessen der Beteiligten zu berücksichtigen. Die Teilnehmenden waren sich überwiegend einig, dass Wohnen als eigenständiges Politikfeld anerkannt werden sollte. Es wurde deutlich, dass vielfältige Formen der Beteiligung und Transparenz sowie Formate des Austausches wichtig seien, um nachhaltig gemeinsame Lerneffekte zu erzielen. Beim Thema Bauen seien viele Akteure gemeinsam auf der Suche nach neuen Herangehensweisen und viele Lösungen könnten erst in der Praxis geschaffen werden.
Ein mögliches Anknüpfungsprojekt an die Trialog-Diskussion sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Entwicklung eines „Atlas der Möglichkeiten“. Dieser sollte aufzeigen, welche Vorteile die Förderung einer städtebaulichen Durchmischung haben kann. Neben der Nutzung von Skalenvorteilen bei größeren Bauprojekten sollten auch kleinere Akteure beteiligt werden, damit sich möglichst viel kreatives und innovatives Potential entfalten kann. Außerdem sollen Instrumente und Verfahren eruiert werden, welche zu einer integrierten Planung und gewinnbringenden Partizipation relevanter Stakeholder beitragen. Es könnte eine breite öffentliche Diskussion über das Thema Gemeinnützigkeit von Wohnen unter Beteiligung der Wissenschaft angestoßen werden.

[+] 4. Trialog: Flexible Infrastrukturen für eine smarte Stadtentwicklung | 21.11.2016

Bezug nehmend auf die vorangegangenen Trialoge der Reihe, erörterte dieser Trialog Aspekte einer intelligenten Stadt. Im Fokus stand die Frage, wie sollen flexible Infrastrukturen eingesetzt und gestaltet werden?

In der Trialog-Diskussion wurde zunächst darüber diskutiert, was unter dem Begriff einer intelligenten Stadt verstanden werden kann. Drei Dimensionen einer intelligenten Stadt haben in der Trialog-Diskussion besonderen Raum eingenommen: die Governance von Städten, flexible Infrastrukturen und Digitalisierung.

Neue städtische Governanceformen stärken die Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohner. Auf Ebene der Kommune gilt es insbesondere, zeitgemäße Formate der Bürgerbeteiligung zu entwickeln. Dabei geht es nicht um ein endgültiges Partizipationsverfahren für alle denkbaren Szenarien, sondern um ein partizipatives Selbstverständnis in der städtischen Governancestruktur und neue Kooperationsformen.

Angesichts der Notwendigkeit, in der wachsenden Stadt Infrastrukturen weiter auszubauen, wurden im Trialog die Aspekte Flexibilität und Dezentralität als Qualitäten von Infrastrukturen diskutiert.

Im Vordergrund der Diskussion über den Nutzen digitaler Infrastrukturen stand die Einschätzung, dass mit der Digitalisierung insgesamt und einzelnen digitalen Technologien irreversible gesellschaftliche Veränderungen angestoßen werden. Im Trialog wurde deswegen deutlich, dass verschiedene Technologien und Anwendungen stets auf ihren stadtpolitischen Mehrwert überprüft werden sollten.

Als eine zentrale Projektidee für eine transdisziplinäre Zusammenarbeit ging aus dem Trialog hervor, die vom Senat beschlossenen zwölf Neubaugebiete in Berlin als eine Chance zur Entwicklung neuer Leitmodelle für den Wohnungsbau zu nutzen. Neu bedacht werden könnten zum Beispiel Aspekte wie die Nachhaltigkeit von Baumaterialien und Versorgungsinfrastrukturen, integrierte Planung und technische Möglichkeiten, sowie Elemente der Bauplanung wie Parkflächen und Wohnungszuschnitte.

Mediathek zur Trialog-Reihe Aufbruch Stadt