Ziele

Die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform sieht sich im Dienst der Förderung von Good Governance. Für uns gehört dazu wesentlich, die Legitimität und Nachhaltigkeit demokratischer Verfahren und Entscheidungen zu stärken.

Auf dieser Basis entwickeln wir Konzepte und Projekte gemäß unserer Überzeugung, dass demokratiefördernde Verfahren Perspektivenvielfalt und Partnerschaft auf Augenhöhe zur Grundlage haben müssen. Nachhaltige und gemeinwohlorientierte Lösungen unter der Beteiligung möglichst diverser Interessenvertreter müssen gemeinsam gefunden werden.

Für gemeinwohlorientierte Politik
 Icon Politik RGB - ZieleStaatliche Politik ist in einer Demokratie durch Wahlen zu gesamtgesellschaftlich verbindlichen Entscheidungen legitimiert. Sie hat dabei die Aufgabe, verschiedene gesellschaftliche Interessen und Machtpotenziale auszugleichen und zu integrieren. Jedoch ist derzeit ein zunehmendes Legitimitätsdefizit staatlicher politischer Handlungen und Entscheidungen zu beobachten. Es schwindet der Glaube großer Bevölkerungsgruppen, dass die eigenen Interessen, Positionen oder auch Ängste und Sorgen in der Politik angemessen Gehör – oder sogar eine Antwort – finden. Vielmehr wird der staatlichen Politik vorgeworfen, vornehmlich Partikular- oder Lobbyinteressen zu bedienen. Darüber hinaus erfüllt die staatliche Politik ihre Aufgaben immer häufiger unzureichend, weil ihre Handlungsfähigkeit aufgrund globaler Abhängigkeiten sowie durch die Ausdifferenzierung innerhalb der Gesellschaft zunehmend begrenzt wird.

Wir bieten Verfahren an, um demokratische Prozesse durch Transparenz und die Partizipation aller relevanten Akteurs-Gruppen zu stärken. Durch Einbezug und Gegenüberstellung zahlreicher, oft unterschiedlicher, Perspektiven und durch die Offenlegung von Begründungen politischer Positionen zeigen wir Grundkonsenskorridore und ihre Implikationen auf. Auf dieser Basis kann eine stärkere Gemeinwohlorientierung politischer Entscheidungen hergestellt und vermittelt werden.


Für verantwortungsvolle Wirtschaft
 Icon Wirtschaft RGB - ZieleDie Wirtschaft verfügt nicht über eine demokratische Legitimation durch Wahlen, hat aber eine zentrale gesellschaftliche Bedeutung und Machtstellung inne. Sie kennzeichnet sich zunächst durch das Recht auf das partikulare Interesse am eigenen ökonomischen Erfolg, und durch das legitime Interesse an verlässlichen und für sie günstigen Marktbedingungen. Die Wirtschaft braucht staatliche Politik, die ihrerseits Schutz und Sicherheit bietet, um in einem fairen Wettbewerb bestehen zu können. Andererseits möchte die Wirtschaft im eigenen Handeln möglichst ungebunden sein. Hier finden sich Gründe sowohl für Konflikt als auch für Kooperation mit staatlicher Politik.

Wir gehen aktiv auf Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft zu und laden sie ein, ihre Perspektive in den politischen Diskurs einzubringen. Durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen und Ansichten geben wir der Wirtschaft die Chance für ein tieferes Verständnis des Unternehmensumfelds (bspw. Erwartungen der Zivilgesellschaft an den Sektor). Das kann die Einsicht in die Marktentwicklung für erfolgreiche Investitionen und das Risikomanagement verbessern.


Für partizipative Zivilgesellschaft
Icon Gesellschaft RGB - ZieleDie organisierte Zivilgesellschaft ist ein wichtiger Akteur für soziale und politische Innovationen. Aus ihr heraus werden bürgerschaftliche Akteure als Korrektiv staatlicher Politik aktiv, wenn deren Projekte als politische Fehlentwicklungen betrachtet werden. Die organisierte Zivilgesellschaft ist dabei nicht von Wahlen abhängig und ist in ihren Aktivitäten keiner Pflicht zu Machtkompromissen unterworfen. Sie genießt – wenn sie gemeinnützig und transparent handelt – aber großes gesellschaftliches Vertrauen. Oft wird sie als Sand im Getriebe politischer oder unternehmerischer Entscheidungen wahrgenommen, was Transparenz erhöhen kann. Wird sie gar nicht oder zu spät an  Entscheidungsprozessen beteiligt, führt das oft zu unnötigen Konflikten.

Wir sehen in der organisierten Zivilgesellschaft ein wesentliches Element einer demokratischen und partizipativen Gesellschaft und bieten Formate an, um ihre systematische und rechtzeitige Teilhabe im Vorfeld politischer Entscheidungen sicherzustellen. Dadurch kann die organisierte Zivilgesellschaft ihren Einfluss auf den privaten und öffentlichen Sektor erhöhen. Dies geschieht unter anderem durch die Forderung und Förderung von Multi-Akteurs-Partnerschaften, in denen die organisierte Zivilgesellschaft als „Partner auf Augenhöhe“ formal beteiligt wird.


Für transdisziplinäre Wissenschaft
Icon Wissenschaft RGB - ZieleModerne Gesellschaften sind zahlreichen großen Transformationen ausgesetzt, zum Beispiel durch Klimawandel, Globalisierung oder Digitalisierung. Die dadurch entstehenden technischen, sozialen, ökologischen, kulturellen und ökonomischen Herausforderungen brauchen wissenschaftliche Expertise und Analyse. Wissenschaft kann nicht aus eigener Kraft und Logik Konzepte und Problemlösungen für gesellschaftliche Probleme erarbeiten – benötigt werden dazu unterschiedliche Wissenstypen, Wissensträger und Wissensformen, die nur andere gesellschaftlichen Gruppen beigesteuern können.

Wir unterstützen methodisch durchdachte Teilhabe der Gesellschaft mit unserem Angebot der transdisziplinären Wissenschaft. Transdisziplinarität ist dabei mehr als die Verbindung unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen: Hier werden jenseits des wissenschaftlichen Zugangs liegende Perspektiven in Forschungsprozesse einbezogen, um gesellschaftlich relevante Forschungsfragen und Handlungsfelder zu ermitteln. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten eine Rückkopplung zu ihren Forschungsfeldern durch gesellschaftliche Akteure, deren Vertreterinnen und -vertreter zugleich Wissensträger sind. Die Herstellung eines gemeinsamen Problemverständnisses bildet die Basis für mögliche transdisziplinäre Forschungsprojekte.