Freiwilliger Verteilungsmechanismus / Matching Verfahren

Die Einsicht, dass die Dublin-III-Verordnung und das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) keine solidarische Verantwortungsteilung zwischen den europäischen Mitgliedstaaten vorsieht, wird inzwischen von der Mehrheit der politischen Akteure geteilt. Allerdings gibt es unterschiedliche Vorstellungen und Positionen darüber, welche Konsequenzen daraus folgen sollten.

Anstelle einer obligatorischen Verteilungsquote von Schutzsuchenden auf Mitgliedstaats-Ebene schlagen wir hinsichtlich einer solidarischen Verantwortungsteilung einen dezentralen Ansatz vor. Die aufnahmebereiten EU-Staaten könnten ihren Städten und Gemeinden eine Aufnahme erlauben.

Bei einer freiwilligen Ansiedlung in aufnahmewilligen Kommunen könnten durch ein Matching-Verfahren sowohl die Interessen der Kommunen als auch der Geflüchteten respektiert und fruchtbar zusammengebracht werden. Städte könnten sich bei potenziellen neuankommenden Geflüchteten mit ihren Bedarfen (Ausbildungsplätze, Wunsch nach Familien mit Kindern, ect.) und Angeboten (z.B. Willkommenslotsen, interkulturelle Projekte, schon bestehende Verbindungen zu Herkunftsländern, ect.) auf einer Plattform vorstellen. Geflüchtete wissen oft nicht, was sie in den aufnehmenden Gemeinden erwartet. Das betrifft sowohl konkrete Bedürfnisse wie Wohnraum, Arbeitsmöglichkeiten und Kinderbetreuung, als auch allgemeinere Faktoren wie die Größe der Stadt, die umgebende Landschaft und die Infrastruktur einer Stadt. Um sich willkommen zu fühlen, sind aber vor allem die Menschen wichtig, die die Neuankommenden in ihre Stadt aufnehmen. Eine „Matching-Plattform“ könnte ebenfalls zivilgesellschaftlichen Initiativen die Möglichkeit geben direkt mit den Geflüchteten in Kontakt zu treten. Zudem hilft eine solche Plattform die Erwartungen beider Seiten – der Stadt und der Geflüchteten – zu konkretisieren und zu kommunizieren.

Schutzsuchende könnten ebenfalls ihre eigenen Präferenzen angeben. Nach einem Abgleich der Präferenzen von Kommunen und Schutzsuchenden könnten Schutzsuchende aus den Treffern (‚matches‘) eine Präferenz für eine Kommune angeben. Der Zugang zum Asylverfahren muss dabei von Anfang an gewährleistet sein.

Bei solch einem ‚Matching-Verfahren‘ geht es nicht darum, wie in einer Vermittlungsbörse die am besten vermittelbaren Menschen in den Kommunen unterzubringen, sondern die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Kommunen und Menschen wahrzunehmen und auch die gegenseitigen Erwartungen sichtbar zu machen. Die Berücksichtigung der Präferenzen von Schutzsuchenden, sowie eine bessere Planbarkeit auf Seiten der Kommunen stellen eine Verbesserung gegenüber einer Zuteilung nach Quote dar, in der die Wünsche von Schutzsuchenden (und Ressourcen der Kommunen) keine Berücksichtigung finden.

Publikationen

Projektkonzept

Deckblatt Integration kommunale Entwicklung 150x150 -

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