Gemeinsam vor Ort Zukunft gestalten: Modellprojekt Kommunale Entwicklungsbeiräte (KEB)

Im Rahmen dieses Projekts führen wir von Dezember 2021 bis Dezember 2023 innovative Beteiligungsformate gemeinsam mit vier bis sechs Partnerkommunen durch.

Ausgehend von den vielfältigen Erfahrungen in der Durchführung partizipativer Beteiligungsprozesse, u. a. der Trialoge in den Bereichen Stadtentwicklung, Energiewende und nachhaltiges Wirtschaften, hat die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform das Konzept der Kommunalen Entwicklungsbeiräte (KEB) entwickelt.

Kommunale Entwicklungsbeiräte sind beratende Gremien aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft, die zu einem von der Kommune selbst gewähltem Thema beraten. Zusammen erarbeiten sie für die lokalen Entscheidungsgremien Handlungsempfehlungen. Denn eine inklusive, nachhaltige Entwicklung funktioniert am besten, wenn alle relevanten Akteursgruppen beteiligt sind. Auf diesem Grundsatz beruhen Kommunale Entwicklungsbeiräte.

Unsere Partnerkommunen sind Gemeinden, Gemeindeverbände und Kleinstädte mit maximal 50.000 Einwohner*innen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich für die Teilnahme beworben haben. Ziel ist es, neben der Erarbeitung konkreter Lösungswege für kommunale Herausforderungen ein neues integratives und nachhaltiges Beteiligungsformat zu pilotieren, was über den Projektzeitraum hinaus weitergeführt werden kann und in weiteren Kommunen Anwendung findet.



Impuls Dominique noch kleiner - Kommunale Entwicklungsbeiräte

Ansprechperson: Dominique Pannke

Was sind kommunale Entwicklungsbeiräte?

Stakeholder - Kommunale EntwicklungsbeiräteBeteiligungsformat

Kommunale Entwicklungsbeiräte werden aus den wichtigen ‚Stakeholder‘-Gruppen der Kommune gebildet. Dazu gehören:

  • Politik und Verwaltung,
  • Unternehmen,
  • Zivilgesellschaft & Bürger*innen,
  • sowie die Wissenschaft als Beobachterin und Begleiterin.

Ideenschmiede für konkrete Empfehlungen

Mit seiner vielseitigen Zusammensetzung erarbeitet der KEB gemeinsam Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kommune in einem selbst gewählten Themenbereich. Die Empfehlung kann konkrete Vorschläge enthalten, welche Entwicklungsschritte die jeweilige Kommune in diesem Themenbereich gehen soll. Als Thema sind dabei alle Bereiche denkbar, in denen die Gemeinde zumindest eine Teilzuständigkeit innehat.

Verständigungsraum

Die Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen mit unterschiedlichen Ressourcen und Kompetenzen an einem gemeinsamen Thema stärkt das Verständnis der Stakeholdergruppen untereinander. Die verschiedenen oft auch gegensätzlichen Perspektiven bergen Konfliktpotential, können aber durch die Auseinandersetzung fantasievolle neue Lösungen entstehen lassen. Ein*e kompetente*r, lokale*r und im Laufe des Projekts ausgebildete*r Moderator*in ermöglicht eine offene, konstruktive Artikulation von Konflikten.

Inklusion

Zentral ist es, im Rahmen der Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen neben den organisierten Interessen explizit auch Betroffene und marginalisierte Gruppen anzusprechen. Gerade diese Personengruppen können oft nur einen geringen formalen Organisierungsgrad vorweisen und werden deshalb in klassischen Beteiligungsformaten häufig übersehen. Sie werden im Rahmen eines inklusiven Stakeholder-Mappings explizit bedacht und angesprochen.

Warum kommunale Entwicklungsbeiräte?

Das Gefühl politisch verlassen zu sein, ‚eh nichts ändern zu können‘ oder schwindendes Vertrauen in die Regelungskraft des Staates sind immer weiter verbreitete Phänomene. Politische Selbstwirksamkeit, also die Wahrnehmung, einerseits Politik verstehen zu können und andererseits eigene Interessen in politischen Entscheidungen einbezogen zu sehen, ist gerade in strukturschwachen Regionen gering. Fast 80% der Bürger*innen sind einer aktuellen Umfrage zu Folge der Meinung, dass das politische System und die Politiker*innen nicht ausreichend responsiv auf Einstellungen der Bürger*innen reagieren, nur noch eine Minderheit zeigt sich grundsätzlich mit den Verfahren der Demokratie in Deutschland zufrieden.

Dabei ist in einer Demokratie das Vertrauen der Bevölkerung politische Entscheidungen beeinflussen zu können essenziell. Die zentrale Herausforderung besteht deshalb darin, mehr Teilhabe zu ermöglichen. Niedrigschwellige Möglichkeiten sich einzubringen und an Entscheidungen mitzuwirken werden benötigt, um die Wahrnehmung der eigenen politischen Selbstwirksamkeit und damit auch die Zustimmungswerte zu politischen Verfahren im Allgemeinen zu erhöhen. Kommunale Entwicklungsbeiräte bieten eine solche Möglichkeit.

Kommunale Entwicklungsbeiräte haben im Vergleich zu anderen (bestehenden) Beteiligungsformaten einige Vorteile:

  • sie ermöglichen eine langfristige Beteiligung der Stakeholder an kommunalen Entwicklungsprozessen, die über die punktuelle Einsetzung von Bürgerforen oder Runden Tischen hinaus geht;
  • sie schaffen einen Austauschraum zur Verhandlung unterschiedlicher Positionen und Interessen innerhalb einer Kommune. Dadurch können bestehende Konflikte konstruktiv thematisiert werden, KEBs wirken so einer weiteren gesellschaftlichen Polarisierung entgegen;
  • Die langfristige Beteiligung sowie die Konfrontation mit anderen Positionen und Interessen schafft die Grundlage für nachhaltigere Lösungen;
  • Das Format ist niedrigschwellig und grundsätzlich offen für alle Interessierten. Damit bietet es die Chance, inklusiver zu sein als bestehende Beiräte. Insbesondere das Stakeholder-Mapping sensibilisiert die Verwaltung dafür, Akteur*innen einzubeziehen, die sonst nicht beteiligt sind.

Projektablauf und Zeitplanung

Zeitstrahl - Kommunale Entwicklungsbeiräte

 

3 - Kommunale Entwicklungsbeiräte


Informationsworkshop:
bei dem sich interessierte Kommunen vorab über das Konzept, das Vorhaben und das Bewerbungsverfahren informieren können.

 

9 - Kommunale Entwicklungsbeiräte
Bewerbungsverfahren:
Kommunen bewerben sich mit einem spezifischen Thema für die Teilnahme an dem Pilotprojekt.

 

 

1 - Kommunale Entwicklungsbeiräte
Auftaktworkshop:
Aus den ausgewählten Kommunen werden die lokale Koordinator*innen und Moderator*innen zum Auftaktworkshop eingeladen. Während des Auftaktworkshop unterzeichnen die beteiligten Kommunen eine Absichtserklärung, die Empfehlungen des KEB aufzugreifen.

 

6 - Kommunale Entwicklungsbeiräte
Moderationsausbildung für lokale Moderator*innen:
In Zusammenarbeit mit den lokalen Koordinator*innen werden zwei gutvernetzte Personen in der Kommune identifiziert, die das Vertrauen aller Stakeholdergruppen genießen und bereit sind, nach der Moderationsschulung die Diskussionen in den KEB zu moderieren. Die Moderationsausbildung zielt darauf ab, auf lokaler Ebene Kompetenzen zur nachhaltigen und verständigungsorientierten Diskussion aufzubauen.

8 - Kommunale Entwicklungsbeiräte
Einladung zur Teilnahme innerhalb der Kommune und Stakeholder Mapping.
Während der Vorbereitung des KEB und des Einladungsmanagement, soll ein spezifisches Augenmerk auf Stakeholder gerichtet werden, die bisher von der Teilnahme an lokalen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen waren, um inklusivere Beteiligung zu ermöglichen.

7 - Kommunale EntwicklungsbeiräteDurchführung der Kommunalen Entwicklungsbeiräte: Die KEB treffen sich während der Laufzeit des Projekts viermal. Im ersten Treffen gilt es ein Kennenlernen der verschiedenen Stakeholder zu ermöglichen, ein gemeinsames Verständnis für den Prozess und die Arbeit im Rahmen des KEB zu entwickeln sowie eine Grundlage für die Beschäftigung mit dem Thema zu legen. Das zweite und dritte Treffen sind der inhaltlichen Erarbeitung des Themas gewidmet.  Zum Ende der 3. Sitzung des KEB können gemeinsam erste Lösungsansätze entwickelt werden. Das vierte Treffen des KEB gilt der Erarbeitung einer Empfehlung.

2 - Kommunale Entwicklungsbeiräte
Bei einem Abschlussworkshop soll das Modellprojekt mit Vertreter*innen aus den Kommunen evaluiert werden und Raum für Erfahrungsaustausch geschaffen werden.

Informationen für interessierte Kommunen

Wir suchen Kommunen, die mit uns gemeinsam die Kommunalen Entwicklungsbeiräte erstmalig umzusetzen.

Bewerben können sich Kommunen aus der gesamten Bundesrepublik mit max. 50.000 Einwohner*innen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Kommunen aus dem ländlichen Raum insbesondere in strukturschwachen Regionen. Die Bewerbung von Gemeindeverbänden (Ämter, Verbandsgemeinden o.ä.) aus dem ländlichen Raum ist ausdrücklich erwünscht. Auch die gemeinsame Bewerbung von mehreren aneinandergrenzenden Gemeinden, die nicht formal in einem Verband organisiert sind, aber schlüssig darlegen können, dass das zu bearbeitende Thema am sinnvollsten im Rahmen eines gemeinsamen Beteiligungsprozesses angegangen werden kann, ist möglich.

Ausschreibung und Anschubsfinanzierung

Interessierte Kommunen können sich um die Teilnahme am Modellprojekt mit einem spezifischen Thema, das für die Zukunft der Kommune am relevantesten erscheint, bewerben. Genauere Informationen zum Ausschreibungsverfahren folgen in Kürze.

Durch die erfolgreiche Bewerbung auf das Modellprojekt hat die Kommune eine Anschubsfinanzierung von 10.000€ erworben, welches der KEB für die Umsetzung eines seiner Empfehlungen einplanen kann. Das Preisgeld ist gebunden an die Umsetzung der erarbeiteten Empfehlungen des KEB. Das Preisgeld ermöglicht somit den KEB einen konkreten Gestaltungsspielraum und versetzt die Teilnehmer*innen in eine Entwicklungsperspektive.

 

Digitaler Informationsworkshop

Um den Kommunen vorab die Möglichkeit zu geben sich über das Konzept und das Bewerbungsverfahren zu informieren, werden wir einen digitalen Infoworkshop durchführen.

Wir werden insbesondere auf folgende Themen eingehen:

  • das Konzept der Kommunalen Entwicklungsbeiräte
  • das Projektvorhaben
  • das Antragsverfahren
  • die konkreten Bedingungen der Teilnahme am Modellprojekt
  • unsere Begleitung.

Konkrete Daten zum Infoworkshop werden Anfang Februar hier veröffentlicht und über die gängigen Kanäle gestreut. Anmeldungen für den Informationsworkshop nehmen wir bereits jetzt unter midigovernance-platform.org entgegen.

 

Weiterführende Informationen zu den kommunalen Entwicklungsbeiräten

Integration von Geflüchteten als Teil einer gemeinsamen kommunalen Entwicklungsstrategie

Screenshot 2021 12 02 at 16 29 53 HVGP Integration kommunale Entwicklung 1 pdf - Kommunale Entwicklungsbeiräte

Wandel mit Struktur - Beteiligungsformate zur Transformation in der Lausitz

Schwan Brehmer 768x1024 1 - Kommunale Entwicklungsbeiräte

Kommunale Entwicklungsbeiräte - Workshopreihe 2019-20

Deckblatt Bericht kommunale Entwicklungsbeiräte - Kommunale Entwicklungsbeiräte

Veranstaltungen

Aktuell sind keine kommenden Termine hinterlegt.