Internationaler Austausch Berlin-Minsk (2019-2020)

Es ist ein langer Weg von der progressiven Kulturstadt Berlin nach Minsk mit seinen sozialistisch geprägten Prachtbauten. Doch genau diese Unterschiede versprechen einen besonders interessanten Austausch von Stakeholdern der Stadtentwicklung. Unsere Projekte im Bereich Stadtentwicklung nutzen einen Multi-Akteurs-Ansatz, um tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.

Mit der zunehmenden Urbanisierung spielen Städte eine tragende Rolle in unserer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Um auf globale Probleme wie den Klimawandel adäquat zu reagieren, und die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung langfristig zu steigern, sind nachhaltige und demokratisch organisierte Stadtkonzepte essenziell. Dabei gilt es auch die Bürger*innen in ihrer Rolle als Entwicklungsakteure zu befähigen und zu bestärken. Schließlich sind sie es, die in der Praxis bestimmen, wie das Zusammenleben der Zukunft aussehen wird.

Das bilaterale Projekt „Städte für Bürger*innen“ bringt deutsche und belarussische Expert*innen aus Politik & Verwaltung, Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft im Trialog ® zusammen, um ihr gesammeltes Wissen in die aktuellen stadtplanerischen Diskussionen einzubringen, und gemeinsam die Stadt der Zukunft zu entwerfen. In Zusammenarbeit mit der belarussischen NGO EKAPRAEKT besichtigen und vergleichen wir dazu Referenzprojekte für nachhaltige Stadtentwicklung vor Ort in zwei mehrtägigen Workshops: im September 2020 in Berlin und November 2020 in Minsk.

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserem Austauschprogramm 2020:

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[+] Austausch Berlin-Minsk (2019)

Das Vorgängerprojekt 2019 unterstützte den Austausch von Stakeholdern zu Herausforderungen, Erfahrungen, Risiken und Lösungen von guter Bürger*innenbeteiligung in Stadtentwicklungsprozessen. In Minsk, wo die Beteiligungsprozesse noch am Anfang stehen, bedarf es einer besseren Implementierung der legal verankerten Prinzipien der öffentlichen Beteiligung und einer nachhaltigen Entwicklung durch die lokale Verwaltung. Langfristig kann die Etablierung von tragfähigen Beteiligungspraktiken im Rahmen der Stadtentwicklung allgemein zu einer besseren Lebensqualität der gesamten Bevölkerung beitragen. Das Projekt bestand aus einem Partneraustausch in Minsk (Mai 2019), einem dreitägigen Programm mit einem Trialog® in Minsk (Oktober 2019) und einem abschließenden Partnerbesuch in Berlin (November 2019).

 

  • Erstes Partnertreffen: 26.-30. Mai 2019 (Minsk) 

Vom 26. bis zum 30. Mai 2019 fand das erste Partnertreffen zwischen den Belarussischen Architektenunion (BUA) und der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform (HVGP) in Minsk, Belarus statt, um über aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung in Minsk zu sprechen. Das Projekt wurde Akteuren aus der Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft, das Committee der Architekten der Stadt und den Vorstand des BUA vorgestellt.

Blogeintrag HVGP

Blogeintrag BUA

 

  • Trialog “Zukunft der Stadt”: 2.-6. Oktober 2019 (Minsk)

In einem deutsch-belarussischen Trialog wurden die Möglichkeiten von Partizipation in der Stadt- und Regionalentwicklung diskutiert. Der zweitägige Trialog fand mit etwa 40 Teilnehmer*innen aus Belarus und 10 Teilnehmer*innen aus Berlin in Minsk statt. Ein dritter Tag diente zur Exkursion in Minsk mit Besichtigung von Praxis-Beispielen der partizipativen Stadtentwicklung. Der Trialog® bot Akteuren aus der organisierten Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft eine Plattform zur Diskussion über nachhaltige Stadtentwicklung. Im Austausch über Problematiken und Handlungsmöglichkeiten der Akteure in Minsk und Berlin wurden Expert*innen im Bereich Städteentwicklung und Bürger*innenbeteiligung zusammengebracht. Ziel des Trialogs war es, Beteiligung in der Stadtentwicklung auf lokaler Ebene voranzutreiben und so zur Implementierung der rechtlich vorgesehenen Bürger*innenbeteiligung beizutragen.

Link zur Veranstaltung

Programm Trialog (Englisch)

Projektinformation und Trialog-Einladung

Beitrag HVGP: Wachstumsschmerzen – Die Notwendigkeit für gute Bürger*innenbeteiligung in Stadtentwicklungsprozessen: Minsk und Berlin – zwei Städte, die in unterschiedliche politische Systeme eingebettet sind, und doch teilen sie trotz ihrer Unterschiede einen sehr ähnlichen Kampf: Proteste der Bürger*innen; wiederkehrende Wohnungs- und Stadtentwicklungsproteste.

Beitrag BUA

Artikel in belarussischer Presse

Instagram Hochschule für Technik Stuttgart/Stadtplanung 

 

  • Abschlusstreffen: 26.-29. November 2019 (Berlin) 

Drei Vertreter der Interessengruppen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus Belarus hatten die Gelegenheit, die deutsche Partnerorganisation in Berlin zu besuchen und sich über aktuelle Stadtentwicklungsprojekte zu informieren. Im Rahmen des Programms besuchte das Team lokale Projekte, um ein besseres Verständnis der aktuellen Wohnsituation zu erlangen. Treffen mit wichtigen Vertreter*innen der organisierten Zivilgesellschaft und der Politik gaben Einblick in neue partizipatorische Prozesse und ermöglichten den Teilnehmern, wertvolle Netzwerke zu wichtigen lokalen Akteuren aufzubauen. Expert*innen für nachhaltigen Städtebau präsentierten ihre Projekte und tauschten ihr Know-how mit den Teilnehmern aus. Schließlich erkundeten die Gäste lokale partizipative Projekte wie das Tempelhofer Feld und das Forschungsprojekt Roof Water Farm, um einen Eindruck ihrer praktischer Erfahrungen zu bekommen.

Programm (Englisch)

Beitrag HVGP: Eine Reise durch Berlin – Facettenreiche Partizipation in der Stadtentwicklung: Einen Überblick der aktuellen Partizipationsformate in Berlin – Welche Initiativen der Politik und der Zivilgesellschaft gibt es? Wie unterscheiden sie sich und welche sind wirklich partizipativ? Wir wagen eine Evaluation.

Beitrag BUA

[+] Förderung und Projektpartner
  • Projektförderung „Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“ des Auswärtigen Amts

Das Ministerium des Auswärtige Amtes (AA) fördert Kooperationsprogramme in Russland und anderen Ländern der Östlichen Partnerschaft (Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Republik Moldau, Ukraine) unter dem Motto „Civil Society Cooperation“. Im Programm werden Projekte und Maßnahmen gefördert, die Demokratisierungs- und Reformprozesse in den Zielländern unterstützen. Projektpartner sind hierbei Nichtregierungsorganisationen, politische Stiftungen und engagierte Bürger*innen, die selbst kulturelle oder bildungspolitische Arbeit leisten. Mit eingeschlossen sind alle Organisationen– vom Bereich Medien, Wissenschaft, Sprachen, bis hin zur Jugendarbeit.

Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft dort auszubauen und ihre Stimme als politische Akteure zu stärken. Es soll ein Austausch initiiert werden, bei dem sich Projektpartner und Teilnehmer*innen gegenseitig inspirieren und bewährte Methoden und Praktiken zur zivilgesellschaftlichen Arbeit vermitteln. Somit werden in den jeweiligen Staaten Transformationsprozesse angestoßen. Seit 2014 konnten 900 Projekte (#CivilSocietyCooperation) mit einer finanziellen Unterstützung von insg. 61 Mio Euro realisiert werden. Einige der geförderten Projekte stellen sich auf Wechange vor.

 

  • Unsere Projektpartner in Belarus: Die NGO EKAPRAEKT (2020) und die belarussische Architektenunion (2019)

Unser Austauschprojekt 2020 führen wir gemeinsam mit der belarussischen NGO EKAPRAEKT durch. EKAPRAEKT ist eine unabhängige Organisation, die Stakeholder aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenzubringt um nachhaltige Entwicklungskonzepte in Politik, Kultur und Gesellschaft der Östlichen Partnerländer zu initiieren und zu fördern. Die Organisation konzentriert sich auf die Themenbereiche nachhaltige Stadtentwicklung, Prävention und Anpassung an den Klimawandel, Umwelterziehung etc. EKAPRAEKT unterstützt die sektorübergreifende Zusammenarbeit von Stakeholdergruppen in Belarus und den Erfahrungs- und Wissensaustausch in Belarus, sowie zwischen Staaten der EU und der osteuropäischen Region. Von 2015-2019 führte EKAPRAEKT das EU-finanzierte Projekt COMMA (ComManaging Municipality – communication and management for community involvement in municipal governance in Belarus) zur Verbesserung der Lebensqualität in Städten durch Einbeziehung der Öffentlichkeit in die kommunale Verwaltung durch.

In unserem Vorgängerprojekt 2019 haben wir mit der belarussischen Architektenunion (BUA), einem Verband von Architekt*innen mit mehr als 700 Mitgliedern, zusammengearbeitet. Ziele der BUA sind unter anderem die Förderung des Schutzes der historischen und architektonischen Umgebung, die Bewahrung von nationalem Kulturgut, die Föderung von öffentlichen Diskussionen zu Themen der Stadtentwicklung, sowie die Unterstützung des Berufsstandes der Architekt*innen. Die Einheit “Arhprosvet” will die Ideale einer demokratischen Gesellschaft in Architektur und Stadtentwicklung einbringen. Darunter fallen Programme zur Bürger*innenbildung und die Unterstützung kommunale Initiativen. Die Kommission „Arhprosvet“ als strukturelle Einheit der Nichtregierungsorganisation „Belarusian Union of Architects“ (BUA) wurde 2012 von einem Team erfahrener Architekten ins Leben gerufen, die einen dringenden Bedarf an professioneller Unterstützung durch die Stadtbürger in immer größer werdenden Stadtentwicklungskonflikten sahen. Ziel von “Arhprosvet” ist es, die Gestaltung von architektonischen und städtebaulichen Objekten zu fördern, die die Ideale einer humanen und demokratischen Gesellschaft widerspiegeln. Die Kommission “Arhprosvet” möchte die Bürger über kritische städtische Fragen aufklären. Das Team hat bedeutende Ergebnisse erzielt sowie sich Unterstützung von verschiedenen politischen und organisatorischen Ebenen für ihre Gemeinschaftsinitiativen eingeholt. Dabei haben sie die Rechte der Bewohner abgerissener Privathäuser durch die Forderung nach angemessener Entschädigung und Konsultation geschützt. Diese Initiativen haben es „Arhprosvet“ ermöglicht, Fälle vor weißrussischen Gerichten zu gewinnen, was zur Aussetzung der Pläne zur Umsiedlung der Wohnviertel in den zentralen Bezirken von Minsk geführt hat.

[+] Projektergebnis

Die Projektergebnisse wurden in einer Broschüre im März 2020 veröffentlicht (Pressetext). Die Broschüre “Städte für Büger*innen – Zivilgesellschaftliche Partizipation in Berlin und Minsk versteht sich als Handbuch für die Förderung und Beteiligung von Bürger*innenbeteiligung. Hierbei werden konkrete Handlungsvorschläge benannt, um die Rolle der Zivilgesellschaft in der Stadtentwicklung zu stärken.

-> Sie können die Broschüre direkt herunterladen. Die Broschüre ist in Deutscher und Russischer Sprache auf unserer Webseite erhältlich.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin hat Leitlinien für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Stadtentwicklung entwickelt, die im Rahmen des Projektes ins Russische übersetzt wurden.  

[+] Weiterführendes Material