Neue Urbane Agenda Berlin: Tourismus

Städte ziehen als lebendige und dynamische Zentren der Kultur sowie des Handels jedes Jahr eine größer werdende Anzahl von Besucher*innen an. Weltweit ist der Städtetourismus einer der schnellsten wachsenden Bereiche der Tourismusindustrie und leistet seit Jahren einen bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag zur Entwicklung von Städten [1]. In Europa generierte der Städtetourismus 2016 einen Anteil von 9,7 Prozent des gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und es wird ein kontinuierliches Tourismuswachstum vorausgesagt [2]. Mit der Bedeutungssteigerung des Städtetourismus hat sich auch die touristische Nutzung der Stadt geändert. Die Tourist*innenströme verlagern sich immer mehr in innerstädtische Wohngebiete und der „Overtourismus“ erzeugt einen wachsenden Unmut bei der Stadtbevölkerung, der sich in Bürgerprotesten äußert, wie jüngst in Barcelona, Venedig oder Amsterdam.

Auch Berlin verzeichnet seit Jahren Besucherrekorde und gehört heute mit mehr als 31 Millionen Übernachtungen (2016) zu den Top-3-Reisezielen Europas. Mit einem Bruttoumsatz von rund 11,6 Milliarden Euro ist die Tourismusbranche längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor und Entwicklungsgenerator geworden [3]. Allerdings werden die steigenden Tourismuszahlen ambivalent beurteilt, denn neben den wirtschaftlichen Vorteilen wirkt sich der Tourismus in Form von Übernutzung, Lärm- und Müllbelastungen negativ auf die Lebensqualität der Berlin*innen aus. Gleichzeitig wünschen sich die Außenbezirke tendenziell mehr Besucher*innen. Es besteht politischer Handlungsbedarf. Zentrale Themen der kontroversen Debatten über den Stadttourismus in Berlin sind die Prozesse der Touristifizierung und Gentrifizierung, die Veränderungstendenz des Stadttourismus und die resultierenden Nutzungskonflikte zwischen Besucher*innen und Stadtbewohner*innen.

Anfang 2018 hat der Berliner Senat nun mit dem „Tourismuskonzept 2018+“ auf den facettenreichen Stadt-Tourismus-Diskurs reagiert. Das Konzept soll die erforderlichen Rahmenbedingungen für einen stadtverträglichen und nachhaltigen Tourismus bilden und durch geeignete Maßnahmen die Erlebnisqualität der Besucher*innen sowie gleichzeitig die Lebensqualität der Berliner*innen erhöhen. Insgesamt steht die Stadt und ihre Bezirke durch unkontrollierte Tourismusentwicklung, konzentrierte touristische Nachfrage in den Innenstadtbezirken, und einem allgemeinen Bevölkerungswachstum vor neuen Herausforderungen.

Im Rahmen des transdisziplinären Projektes „Neue Urbane Agenda Berlin“ wollen wir das Thema stadtverträglicher Tourismus in Berlin mit allen Stakeholder – d.h. mit Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, lokaler Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft sowie der Wissenschaft – diskutieren und gemeinsam Herausforderungen und Handlungsbedarfe identifizieren (und schon erkannte überprüfen).

Die folgenden Fragen bilden die Basis des urbanen Handlungsfeldes Tourismus:

  • Was bedeutet stadtverträglicher Tourismus?
  • Welche Kriterien muss ein stadtverträglicher Tourismus erfüllen?
  • Was sind zur Zeit die weitreichendsten negativen Auswirkungen des Tourismus in der Stadt?
  • Welche Potentiale birgt der urbane Tourismus für die Stadt und ihre Zukunft?
  • Was kann die Wissenschaft zur Lösung der Herausforderungen im urbanen Handlungsfeld „Tourismus“ beisteuern?

[1] Vgl. World Tourism Organization (UNWTO): Global Benchmarking for City Tourism Measurement, Madrid 2014.
[2] Vgl. IPK International: ITB World Travel Trends Report 2015/2016, Hg. v. Messe Berlin GmbH, Berlin 2015.
[3] Vgl. visitBerlin: Tourismus- & Kongress-Bilanz 2017, Berlin 26. Februar 2018.

[+] Trialog Tourismus I | 07. März 2018

Trialog Tourismus I | 07. März 2018, 9:00-17:00 Uhr

Kalender zur transdisziplinären Trialog-Reihe "Neue Urbane Agenda Berlin"