Transdisziplinär Forschen mit der TU Berlin (2016-2020)

Für die Zukunft Berlins ist es wichtig, die Verkehrsinfrastruktur an zukünftige Bedarfe anzupassen, Lösungen zur Integration von Zugewanderten umzusetzen, den zunehmenden Tourismus nachhaltig zu gestalten, sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern bedarfsgerechten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das transdisziplinäre Projekt „Neue Urbane Agenda Berlin“ möchte zum Verständnis aktueller und zukünftiger Herausforderungen der wachsenden Stadt beitragen und strebt die verständigungsorientierte Auseinandersetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessengruppen an. Mittels Trialogen® sollen unter Beteiligung aller Stakeholder – aus Politik und Verwaltung, organisierter Zivilgesellschaft, lokaler Wirtschaft und Wissenschaft – konkrete transdisziplinäre Handlungsstrategien entwickelt und neue Impulse für die Berliner Stadtgesellschaft gesetzt werden.

Innerhalb der zwei Jahre Projektlaufzeit (2018 bis 2020) wird die TU Berlin, in Zusammenarbeit mit der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform vier Trialoge® und vier trialogische Projektgruppen zu den stadtpolitischen Herausforderungen Mobilität, Zuwanderung, Wohnen und Tourismus veranstalten. Dabei wird der gesamte transdisziplinäre Prozess – von der Definition eines Handlungsfeldes oder einer Forschungsfrage, über die Entwicklung eines konkreten Projektdesigns bis hin zu der Umsetzung des Projektes – durch das Projektteam der TU aktiv begleitet. Ziel des Projekts ist den aktuellen Forschungsbedarf aufzudecken, neue Erkenntnisse und neues Wissen durch Verständigung zu generieren, um Handlungsoptionen abzuleiten und diese in Modellvorhaben weiterzuentwickeln und zu erproben.

Vorgängerprojekte:

Im Rahmen der Trialog-Reihe “Aufbruch Stadt: Für zukünftige Infrastrukturen (2016) diskutierten Akteure aus der Stadtgesellschaft mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, um zu transdisziplinär orientierten Fragestellungen und Projektideen zu gelangen.

Berlin wächst unerwartet dynamisch. Die Infrastruktur der Stadt ist darauf noch nicht vorbereitet. An den zahlreicher werdenden Flächen- und Nutzungskonflikten wird deutlich, dass die Gestaltung der Stadt eine produktive und verständigungsorientierte Auseinandersetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessengruppen braucht, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Die großen Transformationen durch Urbanisierung und Klimawandel führen auch zu neuen Anforderungen an Wissenschaft und Universitäten. Neben der Erforschung des Ist-Zustandes, der Problemlagen sowie der Entwicklung von tragfähigen Zukunftsszenarien, gilt es, Konzepte, Initiativen, Instrumentarien und Maßnahmen zu entwickeln, die eine notwendige Transformation gestalten helfen.

Transdisziplinäre Trialoge wurden von der Technischen Universität Berlin und der HVGP gemeinsam entwickelt, um für die vieldiskutierten Forderungen nach gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit von Forschung durch transdisziplinäres Arbeiten eine geeignete Methode zu schaffen. Im Rahmen der Trialog-Reihe diskutierten Akteure aus der Stadtgesellschaft mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, um zu transdisziplinär orientierten Fragestellungen und Projektideen zu gelangen. Im Rahmen des Projektes wurden über einen Zeitraum von elf Monaten (Februar 2016 – Dezember 2016) insgesamt vier Trialoge für die TU Berlin vorbereitet und durchgeführt.

Weitere Informationen über die gemeinsamen Aktivitäten zum Ausbau und zur Förderung des transdisziplinären Forschungsprinzips an der TU Berlin finden Sie hier.

Über den Mehrwert der Trialoge für transdisziplinäre Forschung spricht Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend, Vizepräsidentin der TU Berlin hier

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Gefördert durch:
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Ein gemeinsames Projekt von:
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[+] Mobilität

Berlin ist im Wandel und damit auch die Mobilitätsbedürfnisse einer modernen Stadtgesellschaft. Wie wir uns in Zukunft in der Stadt bewegen, mit welchen Verkehrsmitteln wir Güter transportieren oder wie wir mit minimaler Umweltbelastung mobil sein können – diese Fragen müssen vor Ort diskutiert und gelöst werden.

Die Berliner Stadtgesellschaft steht vor großen Herausforderungen: Die Verkehrsinfrastruktur muss mit den unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen der Bevölkerung in Einklang gebracht werden. Das Anwachsen der Stadt bringt neue Probleme für den Verkehr mit sich und verschiedene Mobilitätsangebote müssen aufeinander abgestimmt werden. Zunehmend verschärft sich der Konkurrenzdruck um die Nutzung des öffentlichen Raums. Eine kluge, integrierte Stadtentwicklung setzt die Abwägung der Interessen aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer voraus. Grundvoraussetzung dafür ist ein gemeinsames Verständnis darüber, wie nachhaltige und tragfähige Lösungen gestaltet werden können.

Diesem Anspruch will die TU Berlin in Zusammenarbeit mit der HUMBOLDT VIADRINA Governance Platform durch die transdisziplinäre Erarbeitung von Mobilitätsprojekten mit direktem Bezug auf die Stadt Berlin gerecht werden. Welchen Beitrag kann die Wissenschaft in Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft zur Lösung von Verkehrsproblemen leisten? Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität Berlin bringen wir in Kontakt mit Akteuren aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft, um gemeinsame Handlungsoptionen auszuloten.

Der Themenbereich umfasst folgende übergeordnete Fragestellungen:

  • Welche Strategien sind für eine Berliner Verkehrswende notwendig?
  • Wie können umweltverträgliche Verkehrsmittel effizienter, intelligenter und komfortabler werden?
  • Welche Maßnahmen sind notwendig, um der zunehmenden Mobilität einer wachsenden Stadt gerecht zu werden?
  • Was kann jeder Einzelne beitragen, damit die Verkehrswende gelingt?
  • Wie können Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam fundierte praktische Lösungen umsetzen?

Hier finden Sie unseren Bericht zum Download.


[+] Trialog Mobilität: “Urbane Mobilität – Welche Verkehrswende braucht Berlin?” | 25. Juni 2018

Auf Einladung der TU Berlin und der HVGP trafen sich am 25. Juni 2018 mehr als 60 Akteure aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung, organisierter Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu dem ersten transdisziplinären Trialog „Urbane Mobilität – Welche Verkehrswende braucht Berlin?“ im Berliner Allianz Forum am Pariser Platz.

Am Vormittag diskutierten Stakeholder gemeinsam folgende Fragen im Plenum:

  1. Welchen Verkehr möchten wir in Zukunft für Berlin und welcher Raum sollte den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern in der Stadt zur Verfügung stehen?
  2. Welche Rolle sollte die Politik bei der Verkehrswende spielen und wie können politischen Entscheidungen von anderen Stakeholdergruppen unterstützt werden?
  3. Welche Möglichkeiten bestehen, um die verschiedenen Mobilitätsangebote besser miteinander zu vernetzen, damit schnelle sowie sichere Wege in der Stadt zurückgelegt werden können?
  4. Gibt es bereits bestehende nachhaltige Verkehrslösungen aus anderen Städten, die auf die Bedarfe Berlins angepasst und konkret umsetzt werden könnten?
  5. Welchen Beitrag kann die Wissenschaft in Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft zur Lösung von Verkehrsproblemen leisten?

Am Nachmittag wurden ausgewählte Themen in Workshops vertieft.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

[+] Zuwanderung

Städte sind zentrale und dynamische Wachstumszentren und gelten als Orte für die Verwirklichung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, ökologischer und politischer Ideen sowie technologischer Innovationen. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass bis 2050 mehr als 70% der Weltbevölkerung in Städten leben wird [1]. Die Stadt unterliegt einem stetigen Transformationsprozess: Sie ist zugleich ein Ort der Zuwanderung und lebendiger Ausdruck der in ihr lebenden Gesellschaft. Urbane Räume sind zudem Knotenpunkte von sozialen Netzwerken, in die Zugewanderte migrieren. Demnach ist die Stadt der Ort an dem heute schon über die Qualität zukünftigen Zusammenlebens entschieden wird.

Berlin ist eine dynamisch wachsende Stadt, die auf eine lange Geschichte der Zuwanderung blickt und spätestens nach dem Mauerfall in den 1990er Jahren den Namen „Stadt im Aufbruch“ trägt. Im Koalitionsvertrag der Landesregierung Berlin vom November 2016 wird deutlich, dass das Thema „Zuwanderung” und dementsprechend die erfolgreiche Integration der neu in die Stadt kommenden Menschen von hoher Relevanz im Stadtdiskurs ist. Berlin und andere Städten stehen in der Verantwortung den Zugewanderten, und insbesondere den geflüchteten Menschen Wohnraum sowie Qualifikations- und Zugangsmöglichkeiten zum lokalen Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen und ein qualitatives sowie interkulturelles Zusammenleben zu fördern. Gleichzeitig entstehen durch die Zuwanderung neue Potentiale und Möglichkeiten, die es zu identifizieren und zu nutzen gilt.

Die Aufgabe einer erfolgreichen Integration von Zugewanderten, ein fortdauerndes (Bevölkerungs-)Wachstum, die steigende Nachfrage nach flexiblen und geeigneten Infrastruktursystemen für die größer werdende Stadt sowie nach adäquaten städtischen Versorgungsleistungen sind Herausforderungen. Hier muss die Stadt Berlin gemeinsam mit Bewohner*innen geeignete und zukunftsweisende Lösungsansätze entwickeln. Im Rahmen des Projektes „Neue Urbane Agenda Berlin“ wird die Technische Universität Berlin gemeinsam mit dem transdisziplinären Trialog-Format der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platzform das Thema „Zuwanderung in der wachsenden Stadt Berlin“ mit allen Stakeholder – d.h. mit Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft – diskutieren und gemeinsam Lösungsstrategien entwickeln. Das Konzept des transdisziplinären Erarbeitungsprozesses ist dabei für uns essenziell.

Die folgenden Fragen bilden dabei die Basis des urbanen Handlungsfeldes „Zuwanderung“ und sollen mit Hinblick auf das Profil der TU als Universität mit einem technischen und planerischen Schwerpunkt im Laufe des Projektes noch weiter geschärft werden:

  • Was kann die Wissenschaft zur Lösung dieser Herausforderungen im urbanen Handlungsfeld „Zuwanderung“ beisteuern?
  • Wie kann Zuwanderung nach Berlin gestaltet werden?
  • Was sind die größten Herausforderungen und die vielversprechendsten Chancen?
  • Wie kann die Wissenschaft dazu beitragen, dass die Potentiale erkannt und die Chancen gewinnbringend genutzt werden?

[1] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.): New Urban Agenda konkret : Fallbeispiele aus deutscher Sicht, Berlin 2016, S.3.


[+] Trialog Zuwanderung nach Berlin: Chancen und Herausforderungen für die wachsende Stadt | 04. Oktober 2018 

Wie kann Zuwanderung und eine erfolgreiche Integration in die wachsende Stadt gestaltet werden? Diese und weitere Fragen wurden mit Akteuren aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft, organisierter Zivilgesellschaft und Wissenschaft am 04 Oktober 2018 mit mehr als 60 Akteure im Berliner Allianz Forum diskutiert.

[+] Wohnen

Der anhaltende Zuzug von Menschen nach Berlin prägt die Stadt als Wohn- und Lebensraum. Am Thema Wohnen zeigt sich, wie facettenreich die Ansprüche sind, die an das Leben in Berlin gestellt werden. Nicht nur die mengenmäßige Wohnraumversorgung stellt eine Herausforderung dar. Auch bei der Frage nach der Beschaffenheit der Wohnungen scheiden sich die Geister: Wohnen zur Miete oder zum Kauf, preiswert oder im Luxussegment? Benötigen wir kleine oder große Wohnungen? Soll die Schlüsselübergabe für den Rohbau oder die vollmöblierte Wohnung erfolgen? Soll in der Stadt oder lieber am Stadtrand gebaut werden? Und schlussendlich: Wer soll die Wohnungen für die Berliner*innen bauen und verwalten?

Die Entwicklung der Immobilienwirtschaft in Berlin ist stark von der Finanzkrise geprägt, die im Jahr 2007 ihren Anfang nahm. Der Berliner Immobilienmarkt galt als unterbewertet, internationale Akteure drängten in die Stadt, um hier zu investieren. Die niedrigen Preise und die starke Kaufkraft von außen führten zu hohen Renditeerwartung. Die Aktivitäten in der Immobilienbranche wirkten sich schnell auf das Wohnen in Berlin aus. Die Stadt wurde für neue Bevölkerungsgruppen aus der ganzen Welt attraktiv. Daneben prägen Entwicklungen, wie die Verdrängung der angestammten Einwohner*innen und Preissteigerungen durch Bodenspekulation sowie Luxussanierungen, das tägliche Geschehen am Wohnungsmarkt. Ein Grundproblem stellt die wachsende Schere zwischen Einkommen und Wohnkosten dar [1].

Die Zivilbevölkerung, die auf ihr Recht auf Wohnen beharrt, die Entwicklungstendenzen im eigenen Kiez kritisch verfolgt und zum Widerstand mobilisiert, fühlt sich in ihren Anliegen oftmals alleine gelassen. Die Berücksichtigung und Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessen im Sinne einer partizipativen Stadtentwicklung wird zwar von allen gesellschaftlichen Akteuren gefordert, der gewünschte Interessensausgleich kann jedoch oft nicht hergestellt werden. Neben neuen Instrumenten und Austauschverfahren zur Vermittlung zwischen den einzelnen Akteuren könnten auch neue Kooperationsmodelle dazu dienen, die Vision einer partizipativen Stadtentwicklung einzulösen. Die Politik hat hier die Möglichkeit steuernd einzugreifen, um alle Akteure gleichberechtigt am Prozess zu beteiligen und die Grundlagen für ein gerechtes und vielfältiges Wohnen in der Stadt zu ermöglichen.

Entlang folgender Aspekte wird im Rahmen des Projektes an transdisziplinären Ansätzen gearbeitet, um Antworten auf die kurz- und langfristigen Fragen zum Thema Wohnen in Berlin zu entwerfen:

  • Wie kann es gelingen innerstädtischen Wohnraum für einkommensschwächere Haushalte zu bewahren?
  • Wie kann neuer bezahlbarer Wohnraum partizipativ geschaffen und langfristig gewahrt werden?
  • Welche Rolle spielen die Klimaschutzziele beim Thema Wohnen und welchen Einfluss wird die Digitalisierung haben?
  • Wie kann der Gebäudebestand an die älter werdende Generation angepasst werden und welche Prinzipien des Zusammenlebens werden in Zukunft eine Rolle spielen?
  • Im Wohnungsmarkt betätigen sich neue Akteure, wie Lebensmittelketten, Stiftungen, die Kirche oder zivilgesellschaftliche Gruppen. Welche Auswirkungen wird diese Vielfalt an Interessen auf das Wohnen haben und wie könnten entsprechende Geschäftsmodelle aussehen?

[1] Die Studie „Wohnverhältnisse in Deutschland“ (2017) der Hans Böckler Stiftung ging diesem Problem auf den Grund.


[+] Trialog Wohnen in Berlin: “Perspektiven für die wachsende Stadt” | 07. Dezember 2018

Trialog Wohnen I | 07. Dezember 2018, 9:00-17:00 Uhr

[+] Tourismus

Städte ziehen als lebendige und dynamische Zentren der Kultur sowie des Handels jedes Jahr eine größer werdende Anzahl von Besucher*innen an. Weltweit ist der Städtetourismus einer der schnellsten wachsenden Bereiche der Tourismusindustrie und leistet seit Jahren einen bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag zur Entwicklung von Städten [1]. In Europa generierte der Städtetourismus 2016 einen Anteil von 9,7 Prozent des gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und es wird ein kontinuierliches Tourismuswachstum vorausgesagt [2]. Mit der Bedeutungssteigerung des Städtetourismus hat sich auch die touristische Nutzung der Stadt geändert. Die Tourist*innenströme verlagern sich immer mehr in innerstädtische Wohngebiete und der „Overtourismus“ erzeugt einen wachsenden Unmut bei der Stadtbevölkerung, der sich in Bürgerprotesten äußert, wie jüngst in Barcelona, Venedig oder Amsterdam.

Auch Berlin verzeichnet seit Jahren Besucherrekorde und gehört heute mit mehr als 31 Millionen Übernachtungen (2016) zu den Top-3-Reisezielen Europas. Mit einem Bruttoumsatz von rund 11,6 Milliarden Euro ist die Tourismusbranche längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor und Entwicklungsgenerator geworden [3]. Allerdings werden die steigenden Tourismuszahlen ambivalent beurteilt, denn neben den wirtschaftlichen Vorteilen wirkt sich der Tourismus in Form von Übernutzung, Lärm- und Müllbelastungen negativ auf die Lebensqualität der Berlin*innen aus. Gleichzeitig wünschen sich die Außenbezirke tendenziell mehr Besucher*innen. Es besteht politischer Handlungsbedarf. Zentrale Themen der kontroversen Debatten über den Stadttourismus in Berlin sind die Prozesse der Touristifizierung und Gentrifizierung, die Veränderungstendenz des Stadttourismus und die resultierenden Nutzungskonflikte zwischen Besucher*innen und Stadtbewohner*innen.

Anfang 2018 hat der Berliner Senat nun mit dem „Tourismuskonzept 2018+“ auf den facettenreichen Stadt-Tourismus-Diskurs reagiert. Das Konzept soll die erforderlichen Rahmenbedingungen für einen stadtverträglichen und nachhaltigen Tourismus bilden und durch geeignete Maßnahmen die Erlebnisqualität der Besucher*innen sowie gleichzeitig die Lebensqualität der Berliner*innen erhöhen. Insgesamt steht die Stadt und ihre Bezirke durch unkontrollierte Tourismusentwicklung, konzentrierte touristische Nachfrage in den Innenstadtbezirken, und einem allgemeinen Bevölkerungswachstum vor neuen Herausforderungen.

Im Rahmen des transdisziplinären Projektes „Neue Urbane Agenda Berlin“ wollen wir das Thema stadtverträglicher Tourismus in Berlin mit allen Stakeholder – d.h. mit Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, lokaler Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft sowie der Wissenschaft – diskutieren und gemeinsam Herausforderungen und Handlungsbedarfe identifizieren (und schon erkannte überprüfen).

Die folgenden Fragen bilden die Basis des urbanen Handlungsfeldes Tourismus:

  • Was bedeutet stadtverträglicher Tourismus?
  • Welche Kriterien muss ein stadtverträglicher Tourismus erfüllen?
  • Was sind zur Zeit die weitreichendsten negativen Auswirkungen des Tourismus in der Stadt?
  • Welche Potentiale birgt der urbane Tourismus für die Stadt und ihre Zukunft?
  • Was kann die Wissenschaft zur Lösung der Herausforderungen im urbanen Handlungsfeld „Tourismus“ beisteuern?

[1] Vgl. World Tourism Organization (UNWTO): Global Benchmarking for City Tourism Measurement, Madrid 2014.
[2] Vgl. IPK International: ITB World Travel Trends Report 2015/2016, Hg. v. Messe Berlin GmbH, Berlin 2015.
[3] Vgl. visitBerlin: Tourismus- & Kongress-Bilanz 2017, Berlin 26. Februar 2018.


[+] Trialog Tourismus Berlin: “Wieviel Tourismus verträgt die wachsende Stadt?” | 14. März 2019

Trialog Tourismus I | 14. März 2019, 9:00-17:00 Uhr

[+] 1. Trialog: Zuwanderung nach Berlin | 04.05.2016

Wie kann eine Stadt zur Heimat ihrer unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohner werden?

Als wesentliches Handlungsfeld zeigte sich in der Diskussion die Notwendigkeit, flexible Infrastrukturen für Zuwanderung zu gestalten. Bedeutsam für die erfolgreiche Integration von Zuwanderern sind Infrastrukturen in den Bereichen Wohnen, Bildung, soziale Netzwerke, digitale Infrastrukturen und Beruf.

Städte sind Knotenpunkte von sozialen Netzwerken, in die Zuwanderer migrieren. Diese realen sozialen Netzwerke sind häufig der erste Ausgangspunkt für Inklusionsprozesse und den Zugang zu einer Erwerbstätigkeit. Soziale Netzwerke zeigten sich in diesen Zusammenhängen als  relevante Forschungs- und Handlungsfelder.

Die Integration in die Alltagskultur wurde als ein weiteres wichtiges Handlungsfeld identifiziert, bei dem auch die Rolle des Ehrenamtes eine große Rolle spielt. Ein weiteres anschlussfähiges Thema für die Herausarbeitung von Handlungsbedarfen bietet das Thema Souveränität. Es kristallisierte sich als breiter Konsens der anwesenden Akteure heraus, dass es für Migrantinnen und Migranten von zentraler Bedeutung ist, die Entscheidungsgewalt über sich selbst und das eigene Leben zurückerobern zu können.

Die Kompetenzfeststellung von Zuwanderern stellte sich als ein sehr relevantes Handlungsfeld heraus. Insbesondere für Flüchtlinge werden kurz- bis mittelfristig neue Modelle der Kompetenzfeststellung gebraucht, weil vorige Ausbildungsabschlüsse oder Qualifikationen nicht entsprechend der hiesigen Erfordernisse dokumentiert sind bzw. anerkannt werden können. Zudem werden Modelle zur Integration in das Ausbildungssystem benötigt, die noch fehlenden Sprachkenntnissen Rechnung tragen, ohne das klassische duale Ausbildungssystem zu schwächen.

Das größte Gewicht legten die Teilnehmer in der Trialog-Diskussion auf die Themen Wissen und Information. Hier scheint der größte Handlungsbedarf zu bestehen und hier werden die meisten Schnittstellen zu den vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen an der TU Berlin wahrgenommen. Gebraucht wird eine Informationsplattform oder Datenbank mit gebündelten Informationen für alle Beteiligten inklusive den Flüchtlingen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die dynamische (digitale) Darstellung und die Vermittlung von verschiedenen Wissensformen dar.

[+] 2. Trialog: Zukünftige Infrastrukturen für Mobilität | 30.06.2016

Der Trialog befasste sich insbesondere mit Mobilitätsstrategien für eine zukunftsfähige Infrastruktur in Berlin und thematisierte welche Freiheit und welche Regulierungen neue Mobilitätskonzepte in der wachsenden Stadt beinhalten könnten.

Im Trialog wurde deutlich, dass Mobilität in der wachsenden Stadt im Rahmen einer integrierten Stadt- und Raumplanung betrachtet werden sollte. Die Probleme im Themenfeld Mobilität, wie zum Beispiel bei der Aufteilung der Flächen für unterschiedliche Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sowie die Planung kurzer Wege können ohne diese integrierte Perspektive nicht gelöst werden. Zudem spielen Zukunftsfragen wie Klimawandel, neue Antriebstechnologien und Digitalisierung sowie neue gesellschaftliche Organisationsformen wie Sharingmodelle eine wichtige Rolle im Kontext einer zukünftigen Mobilitätsstrategie in Berlin. Beim Trialog konnten konkrete transdisziplinäre Handlungsfelder ermittelt werden. So sollte Berlin Vorreiter einer Verkehrswende unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger sein. Hierzu braucht es Konzepte zu gerechten Flächenaufteilungen und für eine neue Mobilitätskultur. Weitere Handlungsfelder wären die transdisziplinäre Erarbeitung von temporären Konzepten für die Umnutzung und Mischnutzung von Raum und von Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung sowohl in bestehenden als auch in neuen Quartieren.

[+] 3. Trialog: Wohnen in der wachsenden Stadt | 01.09.2016

Im Trialog wurden Fragestellungen zum zukünftigen Wohnen in Berlin diskutiert und deren Relevanz und Bedeutung für die Gesellschaft erörtert. Dabei ging es auch um die angrenzenden Themenfelder Wohnungsbau & Sanierung, Gentrifizierung und Wohnformen.

Die Trialog-Diskussion war detailreich und verdeutlichte die Fragmentierung des Themas über verschiedene politische Ebenen und die Herausforderung, in der Auseinandersetzung, die sehr unterschiedlichen Interessen der Beteiligten zu berücksichtigen. Die Teilnehmenden waren sich überwiegend einig, dass Wohnen als eigenständiges Politikfeld anerkannt werden sollte. Es wurde deutlich, dass vielfältige Formen der Beteiligung und Transparenz sowie Formate des Austausches wichtig seien, um nachhaltig gemeinsame Lerneffekte zu erzielen. Beim Thema Bauen seien viele Akteure gemeinsam auf der Suche nach neuen Herangehensweisen und viele Lösungen könnten erst in der Praxis geschaffen werden.
Ein mögliches Anknüpfungsprojekt an die Trialog-Diskussion sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Entwicklung eines „Atlas der Möglichkeiten“. Dieser sollte aufzeigen, welche Vorteile die Förderung einer städtebaulichen Durchmischung haben kann. Neben der Nutzung von Skalenvorteilen bei größeren Bauprojekten sollten auch kleinere Akteure beteiligt werden, damit sich möglichst viel kreatives und innovatives Potential entfalten kann. Außerdem sollen Instrumente und Verfahren eruiert werden, welche zu einer integrierten Planung und gewinnbringenden Partizipation relevanter Stakeholder beitragen. Es könnte eine breite öffentliche Diskussion über das Thema Gemeinnützigkeit von Wohnen unter Beteiligung der Wissenschaft angestoßen werden.

[+] 4. Trialog: Flexible Infrastrukturen für eine smarte Stadtentwicklung | 21.11.2016

Bezug nehmend auf die vorangegangenen Trialoge der Reihe, erörterte dieser Trialog Aspekte einer intelligenten Stadt. Im Fokus stand die Frage, wie sollen flexible Infrastrukturen eingesetzt und gestaltet werden?

In der Trialog-Diskussion wurde zunächst darüber diskutiert, was unter dem Begriff einer intelligenten Stadt verstanden werden kann. Drei Dimensionen einer intelligenten Stadt haben in der Trialog-Diskussion besonderen Raum eingenommen: die Governance von Städten, flexible Infrastrukturen und Digitalisierung.

Neue städtische Governanceformen stärken die Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohner. Auf Ebene der Kommune gilt es insbesondere, zeitgemäße Formate der Bürgerbeteiligung zu entwickeln. Dabei geht es nicht um ein endgültiges Partizipationsverfahren für alle denkbaren Szenarien, sondern um ein partizipatives Selbstverständnis in der städtischen Governancestruktur und neue Kooperationsformen.

Angesichts der Notwendigkeit, in der wachsenden Stadt Infrastrukturen weiter auszubauen, wurden im Trialog die Aspekte Flexibilität und Dezentralität als Qualitäten von Infrastrukturen diskutiert.

Im Vordergrund der Diskussion über den Nutzen digitaler Infrastrukturen stand die Einschätzung, dass mit der Digitalisierung insgesamt und einzelnen digitalen Technologien irreversible gesellschaftliche Veränderungen angestoßen werden. Im Trialog wurde deswegen deutlich, dass verschiedene Technologien und Anwendungen stets auf ihren stadtpolitischen Mehrwert überprüft werden sollten.

Als eine zentrale Projektidee für eine transdisziplinäre Zusammenarbeit ging aus dem Trialog hervor, die vom Senat beschlossenen zwölf Neubaugebiete in Berlin als eine Chance zur Entwicklung neuer Leitmodelle für den Wohnungsbau zu nutzen. Neu bedacht werden könnten zum Beispiel Aspekte wie die Nachhaltigkeit von Baumaterialien und Versorgungsinfrastrukturen, integrierte Planung und technische Möglichkeiten, sowie Elemente der Bauplanung wie Parkflächen und Wohnungszuschnitte.

Unsere transdisziplinären Trialog-Berichte zur Stadtentwicklung