Neue Urbane Agenda Berlin: Wohnen

Der anhaltende Zuzug von Menschen nach Berlin prägt die Stadt als Wohn- und Lebensraum. Am Thema Wohnen zeigt sich, wie facettenreich die Ansprüche sind, die an das Leben in Berlin gestellt werden. Nicht nur die mengenmäßige Wohnraumversorgung stellt eine Herausforderung dar. Auch bei der Frage nach der Beschaffenheit der Wohnungen scheiden sich die Geister: Wohnen zur Miete oder zum Kauf, preiswert oder im Luxussegment? Benötigen wir kleine oder große Wohnungen? Soll die Schlüsselübergabe für den Rohbau oder die vollmöblierte Wohnung erfolgen? Soll in der Stadt oder lieber am Stadtrand gebaut werden? Und schlussendlich: Wer soll die Wohnungen für die Berliner*innen bauen und verwalten?

Die Entwicklung der Immobilienwirtschaft in Berlin ist stark von der Finanzkrise geprägt, die im Jahr 2007 ihren Anfang nahm. Der Berliner Immobilienmarkt galt als unterbewertet, internationale Akteure drängten in die Stadt, um hier zu investieren. Die niedrigen Preise und die starke Kaufkraft von außen führten zu hohen Renditeerwartung. Die Aktivitäten in der Immobilienbranche wirkten sich schnell auf das Wohnen in Berlin aus. Die Stadt wurde für neue Bevölkerungsgruppen aus der ganzen Welt attraktiv. Daneben prägen Entwicklungen, wie die Verdrängung der angestammten Einwohner*innen und Preissteigerungen durch Bodenspekulation sowie Luxussanierungen, das tägliche Geschehen am Wohnungsmarkt. Ein Grundproblem stellt die wachsende Schere zwischen Einkommen und Wohnkosten dar [1].

Die Zivilbevölkerung, die auf ihr Recht auf Wohnen beharrt, die Entwicklungstendenzen im eigenen Kiez kritisch verfolgt und zum Widerstand mobilisiert, fühlt sich in ihren Anliegen oftmals alleine gelassen. Die Berücksichtigung und Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessen im Sinne einer partizipativen Stadtentwicklung wird zwar von allen gesellschaftlichen Akteuren gefordert, der gewünschte Interessensausgleich kann jedoch oft nicht hergestellt werden. Neben neuen Instrumenten und Austauschverfahren zur Vermittlung zwischen den einzelnen Akteuren könnten auch neue Kooperationsmodelle dazu dienen, die Vision einer partizipativen Stadtentwicklung einzulösen. Die Politik hat hier die Möglichkeit steuernd einzugreifen, um alle Akteure gleichberechtigt am Prozess zu beteiligen und die Grundlagen für ein gerechtes und vielfältiges Wohnen in der Stadt zu ermöglichen.

Entlang folgender Aspekte wird im Rahmen des Projektes an transdisziplinären Ansätzen gearbeitet, um Antworten auf die kurz- und langfristigen Fragen zum Thema Wohnen in Berlin zu entwerfen:

  • Wie kann es gelingen innerstädtischen Wohnraum für einkommensschwächere Haushalte zu bewahren?
  • Wie kann neuer bezahlbarer Wohnraum partizipativ geschaffen und langfristig gewahrt werden?
  • Welche Rolle spielen die Klimaschutzziele beim Thema Wohnen und welchen Einfluss wird die Digitalisierung haben?
  • Wie kann der Gebäudebestand an die älter werdende Generation angepasst werden und welche Prinzipien des Zusammenlebens werden in Zukunft eine Rolle spielen?
  • Im Wohnungsmarkt betätigen sich neue Akteure, wie Lebensmittelketten, Stiftungen, die Kirche oder zivilgesellschaftliche Gruppen. Welche Auswirkungen wird diese Vielfalt an Interessen auf das Wohnen haben und wie könnten entsprechende Geschäftsmodelle aussehen?

[1] Die Studie „Wohnverhältnisse in Deutschland“ (2017) der Hans Böckler Stiftung ging diesem Problem auf den Grund.

[+] Trialog Wohnen I | 07. Dezember 2018

Trialog Wohnen I | 07. Dezember 2018, 9:00-17:00 Uhr

Kalender zur transdisziplinären Trialog-Reihe "Neue Urbane Agenda Berlin"