Die Zukunft der Stadt (2019)

Das Projekt „Trialoge für Partizipation in der Stadtentwicklung“ (kurz: Die Zukunft der Stadt) ermöglicht einen Austausch zwischen deutschen und belarussischen Akteuren zum Thema Stadtentwicklung.

Das vom Auswärtigen Amt finanzierte Projekt ist ein bilaterales Projekt zwischen der Belarussischen Architektenunion (BUA) und der HUMBOLDT-VIADRINA-Governance-Plattform (HVGP), welches das Verständnis der Bürgerbeteiligung innerhalb des Stadtentwicklungskontextes von Minsk und Berlin vertiefen soll. Experten und relevante Akteure, die im Bereich der Stadtentwicklung tätig sind, werden eingeladen, sich auszutauschen und langfristige Netzwerke aufzubauen. Das Projekt möchte somit deutschen und belorussischen Experten für Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung zusammenbringen, um sie zu befähigen, ihr Wissen in die aktuellen politischen Diskussionen in beiden Städten mit einzubringen.

Das Projekt möchte den Austausch von Stakeholdern zu Herausforderungen, Erfahrungen, Risiken und Lösungen von guter Bürger*innenbeteiligung in Stadtentwicklungsprozesse unterstützen. In Minsk, wo die Beteiligungsprozesse noch am Anfang stehen, bedarf es einer besseren Implementierung der legal verankerten Prinzipien der öffentlichen Beteiligung und einer nachhaltigen Entwicklung durch die lokale Verwaltung. Langfristig kann die Etablierung von nachhaltigen und tragfähigen Beteiligungspraktiken im Rahmen der Stadtentwicklung allgemein zu einer besseren Lebensqualität der gesamten Bevölkerung beitragen.  


Unsere Hintergrundartikel

Rund um das Thema Partizipation in Städten haben wir auf unserer Austauschreise nach Minsk und in Berlin über verschiedene Aspekte der Bürger*innenbeteiligung in beiden Städten berichtet.

-> Wachstumsschmerzen: Die Notwendigkeit für gute Bürger*innenbeteiligung in Stadtentwicklungsprozessen

Minsk und Berlin – zwei Städte, die in unterschiedliche politische Systeme eingebettet sind, und doch teilen sie trotz ihrer Unterschiede einen sehr ähnlichen Kampf: Proteste der Bürger*innen; nicht nur die wiederkehrende Fridays For Future-Proteste, sondern insbesondere Wohnungs- und Stadtentwicklungsproteste. 

-> Eine Reise durch Berlin: Facettenreiche Partizipation in der Stadtentwicklung

Einen Überblick der aktuellen Partizipationsformate in Berlin: welche Initiativen der Politik und der Zivilgesellschaft gibt es? Wie unterscheiden sie sich und welche sind wirklich partizipativ? Wir wagen eine Evaluation.


Handbuch “Städte für Bürger*innen”

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Die Broschüre “Städte für Büger*innen – Zivilgesellschaftliche Partizipation in Berlin und Minsk versteht sich als Handbuch für die Förderung und Beteiligung von Bürger*innenbeteiligung. Hierbei werden konkrete Handlungsvorschläge benannt, um die Rolle der Zivilgesellschaft in der Stadtentwicklung zu stärken. Die Broschüre beinhaltet die ausgearbeiteten Lösungsansätze für Minsk mit konkreten Projekt-beispielen aus Berlin und Minsk und Inputs von deutschen und belorussischen Expert*innen. Das Handbuch ist ab März 2020 auf unserer Webseite in russisch und deutsch zugänglich.

Hier geht es zu unserem aktuellen Folgeprojekt „Trialoge® für Nachhaltige Städte“ 2020.

[+] Politischer Hintergrund

Cover Page Bild 300x200 - Die Zukunft der Stadt (2019)Sowohl in Berlin als auch in Minsk starteten in jüngster Zeit Prozesse von Bürgerbeteiligung in der Stadt- und Regionalentwicklung. In 2018 allein, planten staatliche Stellen in Minsk mehr als 60 öffentliche Diskussionen zu ausgewählten Stadtplanungsprojekten. Der Minsker Bürgermeister sprach sich jüngst für mehr Dialog mit Bürger*innen in der Stadtentwicklung aus.

In Berlin wurde 2017 ein Prozess für mehr und bessere Beteiligung angestoßen. Die lokale staatliche Verwaltung in Berlin ist dabei, Leitlinien für Bürgerbeteiligung in einem Partizipationsprozess mit der Stadtgesellschaft zu entwickeln. Auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften entwickeln mithilfe des Trialog-Konzeptes ihre eigenen Leitlinien, die sie bei ihren Beteiligungsprozessen für aktuelle Bauvorhaben umsetzen.

[+] Partizipation Stärken

HVGP AABelarus Webseite Bild Clay Banks Partizipation Stärken Kachel e1567096647952 300x159 - Die Zukunft der Stadt (2019)Obwohl die Beteiligung von Anwohner*innen und der Zivilgesellschaft von Seiten der staatlichen Behörden zunehmend akzeptiert ist, stehen beide Städte vor Problemen der Umsetzung von Partizipation auf der lokalen Ebene:

  • Bürger*innen kritisieren, wie sie von staatlicher Seite informiert werden
  • Bürger*innen kennen ihre Beteiligungsrechte und -möglichkeiten nicht ausreichend
  • Bürger*innen sind sich unsicher, wie sie sich zu einem frühen Zeitpunkt im Planungsprozess einbringen können
  • Das von den Bürger*innen benötigte spezifische Wissen und ihre Kompetenzen bleiben ungenutzt. Stattdessen verbleibt öffentliche Beteiligung auf der Ebene emotionaler Apelle und Proteste.

Im Ergebnis werden die Potenziale, konsensuale Lösungen in konfliktreichen Kontexten der Stadt- und Regionalplanung zwischen den beteiligten Akteuren zu entwickeln, nicht genutzt.

Die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform möchte dieses ungenutzte Potential aufgreifen, um partizipative Prozesse anzuregen, zu begleiten und zu entwickeln. Denn nur somit können Städte wie Berlin von allen Akteuren gemeinsam gestalten werden. Der Austausch zwischen Minsker und Berliner Experten in diesem Projekt soll genau dieses Ziel verwirklichen.

[+] Ablauf

Das Projekt besteht aus einem Partneraustausch in Minsk (Mai 2019), einem dreitägigen Programm mit einem Trialog® in Minsk (Oktober 2019) und einem abschließenden Partnerbesuch in Berlin (November 2019).


Erstes Partnertreffen 26. – 30. Mai 2019 (Minsk)

Vom 26. bis zum 30. Mai 2019 fand das erste Partnertreffen zwischen den Belarussischen Architektenunion (BUA) und der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform (HVGP) in Minsk, Belarus statt, um über aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung in Minsk zu sprechen. Das Projekt wurde Akteuren aus der Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft, das Committee der Architekten der Stadt und den Vorstand des BUA vorgestellt.

Blogeintrag HVGP

Blogeintrag BUA

 


Trialog® „Zukunft der Stadt“ 2. – 6. Oktober (Minsk)

In einem deutsch-belarussischen Trialog sollen die Möglichkeiten von Partizipation in der Stadt- und Regionalentwicklung diskutiert werden. Der zweitägige Trialog findet mit etwa 40 Teilnehmer*innen aus Belarus und 10 Teilnehmer*innen aus Berlin in Minsk statt. Ein dritter Tag dient zur Exkursion in Minsk mit Besichtigung von Praxis-Beispielen der partizipativen Stadtentwicklung.

Der Trialog® bietet Akteuren aus der organisierten Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft eine Plattform zur Diskussion über nachhaltige Stadtentwicklung. Im Austausch über Problematiken und Handlungsmöglichkeiten der Akteure in Minsk und Berlin werden Expert*innen im Bereich Städteentwicklung und Bürger*innenbeteiligung zusammengebracht. So können deutsche und belarussische Experten für Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung ihr Wissen in die lokalen Stadtdiskussionen einbringen und Lösungen für beide Städte entwickeln.

Der Trialog in Minsk soll Möglichkeiten und Zielvorstellungen eines breiten Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung diskutieren, konkret die Erfahrungen in den deutschen und belarussischen Beteiligungsverfahren im Raum Berlin und Minsk. Ziel des Trialogs ist es, Beteiligung in der Stadtentwicklung auf lokaler Ebene voranzutreiben und so zur Implementierung der rechtlich vorgesehenen Bürger*innenbeteiligung beizutragen. Die im Trialog angestoßene Verständigung der Akteure soll die Entwicklung vertrauensvoller Beziehungen zwischen den Stakeholdern unterstützen, um zukünftig in einem Netzwerk von Akteuren die belarussischen Prozesse voranzutreiben.

Beitrag BUA

Beitrag HVGP

Medien

Ausstellung Goethe Institut – Die Stadt von Morgen

Hochschule für Technik Stuttgart – Stadtplanung – Instagram


Abschlusstreffen 26. – 29. November (Berlin)

3 Vertreter der Interessengruppen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus Belarus hatten die Gelegenheit, die deutsche Partnerorganisation in Berlin zu besuchen und sich über aktuelle Stadtentwicklungsprojekte zu informieren.

Im Rahmen des Programms besuchte das Team lokale Projekte, um ein besseres Verständnis der aktuellen Wohnsituation zu erlangen. Treffen mit wichtigen Vertretern der organisierten Zivilgesellschaft und der Politik gaben Einblick in neue partizipatorische Prozesse und ermöglichten den Teilnehmern, wertvolle Netzwerke zu wichtigen lokalen Akteuren aufzubauen. Experten für nachhaltigen Städtebau präsentierten ihre Projekte und tauschten ihr Know-how mit den Teilnehmern aus. Schließlich erkundeten die Gäste lokale partizipative Projekte wie das Tempelhofer Feld und das Forschungsprojekt Roof Water Farm, um einen Eindruck ihrer praktischer Erfahrungen zu bekommen.

Beitrag HVGP | Beitrag BUA

Facebook Post der Initiative “Ecograd”

[+] Unsere Förderer


Über die Projektförderung „Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“

HVGP AABelarus Webseite Auswaertiges Amt Logo - Die Zukunft der Stadt (2019)Das Ministerium des Auswärtige Amtes (AA) fördert Kooperationsprogramme in Russland und anderen Ländern der Östlichen Partnerschaft (Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Republik Moldau, Ukraine) unter dem Motto „Civil Society Cooperation“.

Im Programm werden Projekte und Maßnahmen gefördert, die Demokratisierungs- und Reformprozesse in den Zielländern unterstützen. Projektpartner sind hierbei Nichtregierungsorganisationen, politische Stiftungen und engagierte Bürger*innen, die selbst kulturelle oder bildungspolitische Arbeit leisten. Mit eingeschlossen sind alle Organisationen– vom Bereich Medien, Wissenschaft, Sprachen, bis hin zur Jugendarbeit.

Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft dort auszubauen und ihre Stimme als politische Akteure zu stärken. Es soll ein Austausch initiiert werden, bei dem sich Projektpartner und Teilnehmer*innen gegenseitig inspirieren und bewährte Methoden und Praktiken zur zivilgesellschaftlichen Arbeit vermitteln. Somit werden in den jeweiligen Staaten Transformationsprozesse angestoßen.

Seit 2014 konnten 900 Projekte mit einer finanziellen Unterstützung von insg. 61 Mio Euro realisiert werden.

Allgemeine Informationen zum Programm des Auswärtige Amtes (AA) finden Sie hier.

Über einige der zur Zeit geförderten Projekte können Sie sich über Wechange, eine Selbstorganisationsplattform, informieren.

#CivilSocietyCooperation

[+] Unser Partner

HVGP AABelarus logo BUA grau - Die Zukunft der Stadt (2019)

Über die Belarussische Architektenunion (BUA)

Die Belarussische Architektenunion (BUA) ist ein Verband von Architekten mit mehr als 700 Mitgliedern. Ziele der BUA sind unter anderem die Förderung des Schutzes der historischen und architektonischen Umgebung, die Bewahrung von nationalem Kulturgut, die Föderung von öffentlichen Diskussionen zu Themen der Stadtentwicklung, sowie die Unterstützung des Berufsstandes der Architekten. Die Einheit “Arhprosvet” will die Ideale einer demokratischen Gesellschaft in Architektur und Stadtentwicklung einbringen. Darunter fallen Programme zur Bürger*innenbildung und die Unterstützung kommunale Initiativen.

Kontakt: rdabsa.by

Über die Kommission “Arhprosvet”

Die Kommission „Arhprosvet“ als strukturelle Einheit der Nichtregierungsorganisation „Belarusian Union of Architects“ (BUA) wurde 2012 von einem Team erfahrener Architekten ins Leben gerufen, die einen dringenden Bedarf an professioneller Unterstützung durch die Stadtbürger in immer größer werdenden Stadtentwicklungskonflikten sahen. Ziel von “Arhprosvet” ist es, die Gestaltung von architektonischen und städtebaulichen Objekten zu fördern, die die Ideale einer humanen und demokratischen Gesellschaft widerspiegeln.

Die Kommission “Arhprosvet” möchte die Bürger über kritische städtische Fragen aufklären. Das Team hat bedeutende Ergebnisse erzielt sowie sich Unterstützung von verschiedenen politischen und organisatorischen Ebenen für ihre Gemeinschaftsinitiativen eingeholt. Dabei haben sie die Rechte der Bewohner abgerissener Privathäuser durch die Forderung nach angemessener Entschädigung und Konsultation geschützt. Diese Initiativen haben es „Arhprosvet“ ermöglicht, Fälle vor weißrussischen Gerichten zu gewinnen, was zur Aussetzung der Pläne zur Umsiedlung der Wohnviertel in den zentralen Bezirken von Minsk geführt hat.

Kontakt: arhprosvetgmail.com

Über unseren Ansprechpartner

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Vitaly Kukharenko organisiert und führt informelle Fachkonsultationen für Aktivisten lokaler Gemeinschaften zu den Themen Wiederaufbau und Bau von Wohngebieten, Quartieren und des Privatsektors durch. Er geht auf die demokratischen Prozesse ein, die in den aktuellen städtebaulichen Entwicklungen in Minsk von Bedeutung sind. In der Öffentlichkeit erläutert Kukharenko alle Nuancen und Feinheiten der Architekturgesetze und -vorschriften und schlägt mögliche Lösungen für Konflikte mit Entwicklern vor. Als Experte identifiziert er aktuelle und perspektivische Probleme moderner Gebäude und entwirft mit lokalen Aktivist*innen Lösungsvorschläge diese im Interesse aller Bewohner zu überwinden. Zusammen mit anderen Fachleuten unterstützt er in privaten Sitzungen auch Aktivist*innen vor Ort.

https://www.facebook.com/ecograd.by
[+] Projektergebnis

Projektergebnis

HVGP AABelarus Brosch%C3%BCre Inhalt 212x300 - Die Zukunft der Stadt (2019)Die endgültigen Projektergebnisse werden in einer Broschüre im März 2020 veröffentlicht (Pressetext). Die Broschüre “Städte für Büger*innen – Zivilgesellschaftliche Partizipation in Berlin und Minsk versteht sich als Handbuch für die Förderung und Beteiligung von Bürger*innenbeteiligung. Hierbei werden konkrete Handlungsvorschläge benannt, um die Rolle der Zivilgesellschaft in der Stadtentwicklung zu stärken. Die Broschüre ist in Deutscher und Russischer Sprache kostenlos auf unserer Webseite erhältlich.

-> Sie können die Broschüre direkt herunterladen. 

[+] Weiterführendes Material

Über Belarus – Bundeszentrale für politische Bildung


Zeitungsartikel:

ZEIT ONLINE – Berichte über Minsk

Sonnenstadt mit Schönheitsflecken – FAZ – Veröffentlicht 7.10.2019

Die Architektur eines fragmentierten ImperiumsAnnett Gröschner – Zeit Online – Veröffentlicht 23.02.2018


Buchempfehlung:

Minsk – Sonnenstadt der Träume – Artur Klinau – erschienen 2006