Zukunftskongress – die HVGP war dabei!

Die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform hat sich mit zwei Workshops am Kongress Zukunft für alle: gerecht.ökologisch.machbar. beteiligt. Organisiert wurde der Kongress vom Konzeptwerk Neue Ökonomie und fand vom 25.-29.08.2020 in Leipzig und – bedingt durch Corona – vor allem digital statt. Auf dem Kongress ging es darum, soziale Bewegungen zur Frage zu vernetzen, wie durch Visionen und umsetzbare Pläne eine gerechte Welt geschaffen werden kann. In mehr als 300 Workshops und 20 Podiumsdiskussionen wurde diskutiert, wie wir die Zukunft 2048 in den Bereichen Bildung, Kunst und Kultur, Energie und Klima, Wohnen und Landwirtschaft gestalten können.

In einem ersten Workshop stellte die Humboldt Viadrina Governance Platform am 27.08.2020 in einem Online-Fachworkshop ihr Projekt EnVision – eine Vision für die Energiewende gestalten vor. Das im Projekt gesammelte Diskussionsmaterial wurde mit einem Teilnehmerkreis aus Bürger*innen und organisierten Zivilgesellschaft reflektiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von Anja Bodenstein, den Hintergrund zum Projekt stellte Katja Treichel vor.

Wir fragten die Teilnehmer*innen, wie sie zu den einzelnen Thesen des Projekts stehen, etwa ob die Energiewende ein Kommunikationsproblem hätte, es mehr Beteiligungsmöglichkeiten brauche oder ob eine Vision nötig sei, um die Energiewende in Deutschland voranzubringen, und die Gesellschaft stärker hinter der Idee zu versammeln: Von „acceptance to embracement“. Die Teilnehmer*innen unterstützten die Projektthesen mehrheitlich und brachten neue Gedanken ein. So hätte beispielsweise Fridays for Future dazu beigetragen, dass die Energiewende für junge Leute an Attraktivität gewinnt. Darüber hinaus sei es wichtig, dass die Fakten in den Medien richtig dargestellt würden. Zwar sei ausreichend Wissen vorhanden, aber dieses müsse so aufbereitet werden, dass auch positive und für alle verständliche Narrative entstehen können. Wichtig sei auch, bereits früh in der Bildung anzusetzen: die Energiewende würde viel zu wenig in Schulen besprochen. Hier gibt es viele Potentiale. KatjaTreichel stellte zu diesem Punkt ein weiteres Projekt der Plattform vor: Energiewende Partnerstadt, in dem sich europäische Kommunen bilateral austauschen und eine deutsche Kommune beispielsweise ein Solarrennautospiel in polnischen Schulen vorstellt, um den Schülern spielerisch das Thema Erneuerbare Energien näherzubringen.

Zu Fragen der Visionen waren sich die Beteiligten einig, dass diese helfen würden, Menschen ins Boot zu holen. Allerdings gäbe es auch konkurrierende und zum Teil negative Visionen. Nach Meinung der Teilnehmenden brauche es keine neuen Technologien, sondern Implementationsvisionen. Die Corona-Krise habe wachgerüttelt. Nun sei der Zeitpunkt, die Energiewende zu reflektieren und neu zu denken.

Ein zweiter Workshop der HVGP diskutierte die derzeitige Problemstellung lokaler Beteiligung unter dem Titel „Politics of Proximity without Proximity“, moderiert von unserer Geschäftsführerin Daphne Büllesbach. Die Workshopteilnehmer*innen diskutierten gemeinsam mit Xavi Ferrer, einem Mitbegründer von Barcelona en Comú und Sophie Bloemen, der Gründerin des Commons Networks in Amsterdam sowie mit Malisa Zobel, Leiterin der Kommunalen Integrations- und Entwicklungsinitiative der HVGP über die Chancen und Herausforderungen von Beteiligung vor Ort.

Die derzeitigen Kontaktbeschränkungen unter Covid-19 erschweren lokale Beteiligung und verstärken gleichermaßen digitale Vernetzung. Die Bemühungen, in verschiedenen Politikfeldern lokale Initiativen zu bündeln, reißen nicht ab: So plant das Netzwerk „Fearless Cities“ beispielsweise eine Konferenz zu Fragen des Munizipalismus in Amsterdam im Frühjahr 2020 und das Bündnis „From the Sea to the City“ baut auf dem Willen von Kommunen zur Aufnahme von Geflüchteten in Europa auf.

Ein transnationales Netzwerk von erprobten lokalen Lösungen kann besonders in Politikbereichen, die auf nationaler oder internationaler Ebene blockiert sind, Wandel bewirken. Beispiele aus dem post-sowjetischen Raum von lokaler Beteiligung, wie etwa die Nutzung von Bürger*innenhaushalten, zeigten, wie schwierig es sein kann, einen positiven Begriff von Solidarität zu nutzen und dass die jeweiligen gesellschaftspolitischen Hintergründe bei transnationaler Vernetzung bedacht werden müssen.    

Sehr deutlich wurde, dass lokale Initiativen etwa in Städten oder Kommunen wichtige Impulse durch Demonstrationseffekte liefern können. Gleich ob Themen der Stadtentwicklung und Mitbestimmung, der Energiewende und Nachhaltigkeit oder der Integration von Geflüchteten sowie der strukturellen Entwicklung der Gemeinde: Lokale Ergebnisse machen Veränderungen erlebbar und können als positive Beispiele andere Städte und Gemeinden inspirieren.