Wie können politische Entscheidungen entstehen, die komplexen Problemen gerecht werden und von Menschen mit unterschiedlichen Interessen mitgetragen werden? Diese Frage steht am Anfang der Berlin Governance Platform.
Prof. Dr. Gesine Schwan beschäftigte sich als Politikwissenschaftlerin mit der Kluft zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und politischer Praxis. Sie suchte nach Orten, an denen langfristige Strategien gemeinsam durchdacht werden können – mit Menschen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. An der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance entwickelte sie dafür Trialoge: strukturierte Gespräche, die unterschiedliche Perspektiven und Interessen an einen Tisch bringen.
Prof. Dr. Peter Eigen kam aus der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Seine Arbeit an Initiativen für Transparenz und gegen Korruption hatte ihm gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Regierungen und Unternehmen für dauerhafte Veränderungen ist. Beide verband die Überzeugung, dass neue Lösungen weder allein am Schreibtisch noch allein innerhalb politischer Institutionen entstehen.
Als die School in ihrer bisherigen Form endete, führten sie diesen Ansatz gemeinsam mit Mitstreitern weiter. 2014 entstand die gemeinnützige HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform. Von Beginn an arbeitete sie an Trialogen zu gesellschaftlichen Fragen und an internationalen Initiativen für Transparenz und Beteiligung.
Aus dieser Arbeit entwickelte sich eine Organisation, die Dialog nicht als Selbstzweck versteht. Sie gestaltet Verfahren, in denen Konflikte offen benannt, Wissen und Erfahrungen zusammengeführt und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Mit Kommunalen Entwicklungsbeiräten wird dieser Ansatz heute beispielsweise in Städten und Gemeinden angewandt: Menschen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft entwickeln Empfehlungen zu konkreten Zukunftsfragen; die Entscheidungen bleiben bei den gewählten Gremien.
Seit 2022 trägt die Organisation den Namen Berlin Governance Platform – BGP. Ihre Arbeit reicht inzwischen von kommunalen Transformationsfragen über Migration bis zu internationalen Governance-Initiativen. Was diese Felder verbindet, ist die Frage ihrer Gründung: Wie schaffen wir Räume und verlässliche Verfahren, in denen eine vielfältige Gesellschaft ihre Zukunft demokratisch gestalten kann?
Gesine Schwan brachte diesen Gedanken in einem Interview zum zehnjährigen Bestehen auf den Punkt: „Wir müssen Institutionen entwickeln, die ausdrücklich diesen Grundkonsens thematisieren.“
Heute entwickelt und erprobt die BGP solche Formate – mit dem Ziel, sie über einzelne Projekte hinaus nutzbar zu machen. So arbeitet sie an der Demokratie von morgen, indem sie demokratische Verständigung schon heute möglich macht.
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